Ein Blogbeitrag von Ingeborg Lindhoud.

Sind Sie gut ins neue Jahr gestartet mit vollen Auftragsbüchern, innovativen Geschäftsideen und dem Wunsch, 2018 zum Jahr Ihrer grenzüberschreitenden Geschäfte zu machen? Ein cooles Vorhaben! Denn niederländische Unternehmen haben einen guten Ruf, Niederländer gelten als pragmatisch, flexibel und unkonventionell – und sind damit die perfekten Partner vieler deutscher Unternehmer.

Dies geht aus einer Image-Studie der niederländischen Botschaft in Berlin unter deutschen Unternehmern, Wissenschaftlern und Politikern hervor. Zwar dürfte der niederländische Umgang mit Regeln oder Vereinbarungen aus deutscher Sicht manchmal durchaus etwas weniger flexibel sein. Nichtsdestotrotz werden Niederländer für ihren „angeborenen“ Pragmatismus und die oft schnelle Lösungsfindung gerühmt.

Höchste Zeit also, Ihre grenzüberschreitenden Geschäfte im neuen Jahr anzubahnen oder zu vertiefen. Lassen Sie sich Ihren Geschäftserfolg in den Niederlanden dabei nicht aus Angst vor interkulturellen Fettnäpfchen verderben. Mit den folgenden Tipps vermeiden Sie unnötige Missverständnisse und punkten bei Ihrem niederländischen Geschäftspartner.

1. Wie gesagt: Niederländer sind flexibel. Pläne werden nicht komplett in Stein gemeißelt, so dass genügend Spielraum übrigbleibt, um rasch auf Situationsveränderungen oder Probleme zu reagieren. Halten Sie Abmachungen daher klar und überschaubar.

2. Verzichten Sie auf langatmige Produktvorstellungen und Unternehmenspräsentationen voller Zahlen, Daten und Fakten. Gerade bei deutschen Partnern geht man davon aus, dass Kriterien wie Qualität, Fachkenntnisse und Lieferpünktlichkeit stimmen, das brauchen Sie kaum zusätzlich zu betonen. Gehen Sie lieber auf den Nutzwert Ihrer Produkte oder Dienstleistungen ein und schmücken Sie Ihre Präsentation mit einer oder mehreren netten Geschichten.

3. Niederländer legen Wert auf eine gute persönliche Beziehung. Wird Vertrauen in Deutschland vor allem über die fachmännische Qualität aufgebaut, steht in den Niederlanden oft eine gute Beziehung an vorderer Stelle. Arbeit und Privates werden in den Niederlanden dann auch weniger getrennt als in Deutschland. Auch bei geschäftlichen Gesprächen gilt: Zuerst ein Kaffee und ein lockerer Plausch, dann laufen die Geschäfte quasi wie von selbst. Ein wenig Humor schafft dabei genau die richtige entspannte Atmosphäre.

4. In den Niederlanden ticken auch die Uhren flexibler. Niederländer strukturieren Ihre Zeit im Allgemeinen weniger stark und schreiben Pünktlichkeit etwas kleiner als in Deutschland. Ist man zufällig in der Nähe, dann klingelt man einfach schnell durch oder fährt gleich unangekündigt vorbei. So stärkt man aus niederländischer Sicht die spontane Beziehung, was den Geschäften zugutekommt.

5. Die niederländische Gesellschaft ist egalitär. Das äußert sich unter anderem in flachen Hierarchien, einem informellen Umgangston und dem Verzicht auf die Nennung von akademischen Titeln in der Öffentlichkeit. Wer sich dennoch als Herr oder Frau Doktor vorstellt, wird schnell als „angeberisch“ und typisch Deutsch betrachtet.

6. Niederländer lieben den Konsens. Deshalb können Besprechungen schon einmal ausufern, denn man geht so lange in „overleg“, bis eine für alle tragfähige Vereinbarung erreicht wird. Entscheidungen sollen den Gruppenprozess widerspiegeln und werden bevorzugt nicht von einer Einzelperson getroffen.

7. Laute Diskussionen, Rechthaberei und der schnelle Gang zum Anwalt werden in den Niederlanden nicht gerne gesehen. Strittige Fragen bespricht man am besten persönlich unter vier Augen – das Bedürfnis nach Konsens lässt grüßen. Nur wenn man sich im Guten nicht einigen kann, sollten Sie einen Anwalt oder noch besser einen Mediator einschalten.

8. Die Niederlande sind aufgrund der Kolonialvergangenheit schon lange ein Einwanderungsland. Anderskulturelle Einflüsse sind in der Gesellschaft dann auch deutlich sichtbar. Berücksichtigen Sie dies auch in Ihrer Marketingkommunikation für die Niederlande und setzen Sie z.B. Modells mit Migrationshintergrund ein oder stimmen Sie Ihre Werbung sogar speziell auf diese Zielgruppe ab.

9. Von der persönlichen Kleidung oder der Innenausstattung von Bürogebäuden bis zu den Werbemitteln: Niederländer betrachten die Welt farbenfroher als in der deutschen Geschäftswelt oft üblich. Gestalten Sie Ihre Broschüren und Internetpräsenz für den niederländischen Markt daher bunter. Die Wirkung lässt nicht nur Ihre Laune, sondern auch Ihre Absatzzahlen steigern.

10. Netzwerken Sie auf Holländisch, besuchen Sie Veranstaltungen und setzen Sie sich nachher gemütlich an die Bar. In entspannter Atmosphäre lässt es sich leichter über Geschäfte plaudern. Wollen Sie vorher wissen, mit wem Sie es eventuell zu tun haben? Das niederländische Social-Media-Netzwerk ist LinkedIn – Xing ist in den Niederlanden weitestgehend unbekannt. Legen Sie sich also auf LinkedIn ein Profil an oder schicken Sie einen Tweet in die Welt, denn Twitter wird im niederländischen Geschäftsleben ebenfalls viel genutzt.

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Niederlande-Jahr 2018!

 

Über die Autorin

Ingeborg Lindhoud lebt in Kleve und führt interkulturelle Trainings und interkulturelle Beratungen durch. Mit ihrer Kommunikationsagentur symphony communication ist sie auf interkulturelle Kommunikation zwischen deutschen und niederländischen Geschäftspartnern spezialisiert.