Zum dritten Chemiegipfel hat Wirtschaftsminister Garrelt Duin Spitzenvertreter von Industrie und Gewerkschaften sowie Betriebsräte führender Unternehmen eingeladen. Erstmals nahmen Vertreter der Niederlande und Flandern an dem Treffen in Düsseldorf teil. Gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen stellen die drei Regionen das Zentrum der europäischen Chemieindustrie dar. Alle Beteiligten begrüßen daher den grenzüberschreitenden Dialog zur Stärkung der Standorte.

Minister Garrelt Duin sagte: „Die nordrhein-westfälische Chemie-Industrie ist das Rückgrat der Branche in Deutschland: Hier werden mit 90.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Drittel der bundesweiten Umsätze erzielt – mehr als in jedem anderen Bundesland. Wir müssen darum kämpfen, dass diese gute Position nicht aufs Spiel gesetzt wird. Denn nur mit einer starken Industrie können Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden.“

Günter Hilken, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Chemischen Industrie in NRW (VCI NRW), betonte: „Die Chemie ist Treiber von Innovationen und unerlässlich für die Bewältigung anstehender Herausforderungen – weltweit, aber auch national – wie etwa die Energiewende. Ohne Innovationen der Chemie gäbe es hier Stillstand.“

Einen Schwerpunkt der Gespräche stellte die Energie- und Klimapolitik dar. Kritik übten Unternehmenslenker und Arbeitnehmervertreter an den Regeln zum europäischen Emissionshandel nach 2020. „Der Europäische Emissionshandel ist grundsätzlich durchaus ein geeignetes Instrument zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen. In Deutschland kommt dann noch der Alleingang bei der Energiewende hinzu. Beides darf nicht zu Überforderungen für den Industriestandort Nordrhein-Westfalen führen“, warnte Hilken.

Minister Duin sagte: „Es darf keine europäische Politik nach dem Motto geben: Wenn die Industrie abwandert, ist Gutes für das Klima getan. Deshalb setzt sich die Landesregierung in intensiven Gesprächen mit Europa-Abgeordneten und EU-Kommission für ein Emissionshandelssystem ein, das die nordrhein-westfälische Industrie gegenüber ihren internationalen Wettbewerbern nicht benachteiligt. Und auch bei der Energiewende muss die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen immer ein wichtiges Kriterium bleiben; das gilt für die Versorgungssicherheit ebenso wie für die Kosten.“

Weiteres Thema des Gipfels waren die Anforderungen der chemischen Industrie an die Standortentwicklung. Im Mittelpunkt standen die Entwicklungsmöglichkeiten von Industrieanlagen in dicht besiedelten Räumen sowie die Chancen und Risiken des Konzepts der „Zirkulären Wertschöpfung“. Zudem betonten die Teilnehmer die Bedeutung einer leistungsfähigen Infrastruktur für die exportorientierte Chemieindustrie und die Notwendigkeit zusätzlicher Anstrengungen zu ihrer Verbesserung.

Abschließend wurden die Ergebnisse der VCI-Studie „Innovationen den Weg ebnen“ vorgestellt. International wachse der Wettbewerbsdruck, weshalb Innovationen der Schlüssel zum Erfolg seien. Laut Studie seien Unternehmen und Politik gleichermaßen gefordert, die Innovationsbedingungen in Deutschland zu verbessern.

Um mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, stellte der VCI NRW am Rande des Gipfels das „Chemiemobil NRW“ vor, das zwei Jahre in NRW unterwegs sein wird. Mit diesem Bus werden die Chemieunternehmen auf Stadtfesten und Märkten Technologien und Produkte präsentieren. Zusätzlich wird das Fahrzeug einmal im Monat vor dem Landtag in NRW zu Touren an die Chemiestandorte aufbrechen.

Günter Hilken sagte: „Wir haben diese Anregung des Ministers gerne aufgenommen. Das Chemiemobil ist ein Beitrag unserer Branche zu mehr Transparenz.“ Minister Duin hob hervor: „Die Menschen vor Ort können sich so über die Vielfalt und Bedeutung der Produkte der chemischen Industrie informieren. Das schafft Vertrauen und legt die Basis für ein lebendiges Miteinander.“