Intelligente Dienstleistungen sinnvoll vernetzt: Im niederländischen Heerlen, etwa 20 Kilometer von Aachen entfernt, ist jetzt der Brightlands Smart Services Campus eröffnet worden. Auf Initiative der Universität Maastricht, der Provinz Limburg und der Algemene Pensioen Groep (APG, vergleichbar mit der deutschen Rentenversicherung) wurde der Campus als Denkfabrik für Unternehmertum, Innovationen und Talententwicklung im Bereich intelligenter Dienstleistungen gegründet und bildet eine Säule der insgesamt vier Brightlands Campusse. Im Mittelpunkt stehen Produkt- und Serviceinnovationen, die auf verschiedenen Daten basieren und mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie miteinander verknüpft werden.

Mit den Unterschriften wurde die Zusammenarbeit offiziell. Foto: Marcel van Hoorn.

Mit den Unterschriften wurde die Zusammenarbeit offiziell. Foto: Marcel van Hoorn.

Das Brightlands Konzepts lautet: „Knowledge crossing borders“. Die Provinz Limburg ist für ihre Weltoffenheit bekannt und möchte besonders die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinaus  stärken. Alle vier Campusse liegen in der Provinz Limburg – somit wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Belgien und Deutschland auf wissenschaftlicher Ebene optimal gewährleistet. Auf dem Brightlands Smart Services Campus arbeiten Studenten, Dozenten und Unternehmen buchstäblich unter einem Dach – alle zum Thema Big Data und Smart Services. Besonders Startups, die sich als junge Unternehmen mit der Analyse und Visualisierung von Big Data befassen, sind auf dem sogenannten Community-Floor ansässig. LARKinfolab beispielsweise ist ein vierköpfiges Startup, das sich mit der Übertragung von abstrakten Daten in greifbare Texte beschäftigt. Mit einem Büroraum befindet sich LARKinfolab mitten in der Ideenschmiede des Campus.

Businesskonzepte
Die APG Groeifabriek ist nicht nur „Bewohner“, sondern als Innovationsabteilung der APG auch Partner des Brightlands Smart Services Campus. Das Unternehmen arbeitet für 135 niederländische Rentenversicherer. Chris Veerkamp von der APG Groeifabriek: „Das Rentensystem verändert sich ständig, was beispielsweise finanzielle Fragen aufwirft. Wir verfolgen Innovationen auf dem Markt und experimentieren mit neuen Technologien und Businesskonzepten.“ Das Unternehmen will explizit mit den Studenten auf dem Campus zusammenarbeiten. Auch Kontakte in Deutschland werden angestrebt.

Das Business Intelligence und Smart Services Institut (BISS) ist eine Kooperation zwischen der Universität Maastricht, der Open Universiteit (Fernuniversität) und der Zuyd Hogeschool in der Provinz Limburg. Es handelt sich um eine regionale Denkfabrik auf dem Gebiet der Digitalisierung. In Zusammenarbeit mit Unternehmen und Studenten werden vom BISS Forschungsprojekte auf dem Gebiet Data Science und Künstliche Intelligenz durchgeführt. Ein typisches Beispiel ist das Thema „Interaktionen der Zukunft und der Einfluss auf Unternehmensmodelle“, bei dem es darum geht, dass Menschen mit Maschinen, beispielsweise Smartphones und Tablets, kommunizieren und diese Maschinen immer intelligenter werden.

Der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp. Foto: Marcel van Hoorn.

Der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp. Foto: Marcel van Hoorn.

Interdisziplinär
Big Data, so sind sich die Initiatoren des Campus einig, sind nicht nur innerhalb eines Landes, sondern auch über die Grenzen hinweg von Bedeutung – und zwar in den Bereichen Finanzdienstleistung, Datenschutz, Gesundheit, Klimaveränderung, Bürgerbeteiligung und Bildung. Martin Paul, Präsident der Universität Maastricht: „Das Thema beschäftigt alle. Wie kann man mit der Datenflut umgehen?“ Genau dieser Frage soll auf dem Campus aus unterschiedlichen Blickwinkeln nachgegangen werden. „In diesem Zusammenhang ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig. Deshalb sind wir jetzt auch Kooperationen mit dem CBS, dem niederländischen Statistikamt, und APG, dem niederländischen Rentenversicherer, eingegangen. Ebenfalls von Bedeutung ist der Datenverkehr über die Grenze nach Deutschland  oder Belgien. Heerlen ist dafür ein idealer Standort“, erläutert Paul.

Offiziell eröffnet wurde der Brightlands Smart Services Campus vom niederländischen Wirtschaftsminister Henk Kamp. Ihm zufolge leistet der neue Campus einen entscheidenden Beitrag zur Weiterentwicklung der niederländischen Wissensgesellschaft. Im Rahmen der Eröffnung konnten geladene Gäste einen Blick hinter die Kulissen werfen. Auf der eigens veranstalteten Innofair „Go Smart“ zeigten die Campus-Beteiligten Produkte und Dienstleistungen auf den Gebieten Data Science, Informationstechnologie und Servicedesign.