Niederländer sind vor allem pragmatisch – und danach lange Zeiten nichts, sagt der Duisburger Unternehmensberater Jörg Renner. Im Geschäftsleben lohnt es sich, das im Hinterkopf zu behalten.

„Was sie von Hause aus gelernt haben“, ob sie Mitglied einer altehrwürdigen Innung sind, ihre Diplome, Papiere, Beweise und Zeugnisse, „all das interessiert Niederländer in der Regel nicht wirklich“, betont Renner. „Niederländer wissen es allerdings durchaus zu schätzen, dass sie als Deutscher einen qualitativ hochwertigen Job machen. Niederländer stehen auf ihre Fachkompetenz. Das ist ihre Chance.“

Es gibt allerdings auch ein Aber: „Sie erwarten, dass Sie diesen Job unkompliziert und zügig erledigen. Und flexibel beim Preis sind.“ Dieser pragmatische Ansatz der Niederländer macht die Geschäftsanbahnung in der Regel einfach: „Reinkommen ist leichter als in Deutschland“, sagt Renner. „Aber man fliegt auch leichter wieder raus als bei uns.“ In diesen Worten klingt an, was man schon immer wusste: Deutsche sind eher Idealisten, Niederländer Realisten: Während Deutsche sich in einer Geschäftsbeziehung kuschelig einrichten können, sind Niederländer imstande, fast schon amerikanisch die Scheidung einzureichen. „Niederländer sind im Kontakt ‚easy going‘, aber in der Analyse nüchtern, teilweise hart.“

Deutsch-niederländische Workshops
Jörg Renner arbeitet regelmäßig als Coach für die Workshops der Business Alliance Niederlande Deutschland (BAND). Gut 500 Teilnehmer und gut 100 aus Deutschland hat die Band seit ihrer Gründung 2004 Interkulturell fit gemacht. John Mazeland ist der Geschäftsführer von BAND. Er erinnert sich an ein Seminar, zu dem sich auch ein Amsterdamer Rechtsanwalt angemeldet und gleich dazu gesagt hatte, dass er erst später kommen würde. Tatsächlich erschien er erst kurz vor der Mittagspause: „Beim Essen unterhielt er sich dann mit unterschiedlichen Teilnehmern des Workshops, nach dem Mittagessen war er verschwunden“, erinnert sich Mazeland. „Das ist ein ganz gutes Beispiel für Niederländischen Pragmatismus: Der Anwalt hat vermutlich schnell erkannt, dass kein potenzieller Mandant unter den Kursteilnehmer war.“

Kein Prozesshansel
Anwälte haben in den Niederlanden übrigens einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Sie werden in viel stärkerem Maße vor-und außergerichtlich und beratend tätig. So verfolgen Niederländische Unternehmen offene Forderungen höchstens ein bis zwei Jahre. In Deutschland dagegen sind Forderungen, die noch nach acht Jahren beigetrieben werden, keine Seltenheit, staunt Stephan Godee, ebenfalls Coach für die BAND – allerdings mit niederländischen Pass. „Die Deutschen prozessieren bis zum bitteren Ende.“ Anders läuft es in den Niederlanden: Da kommt auf jeden Prozess eine außergerichtliche Einigung, schätzt der ehemalige Workshop Teilnehmer Rob Küffen, der als Anwalt in beiden Ländern zugelassen ist. Denn zum Pragmatismus gehört auch, dass Niederländer negative Erfahrungen gerne abhaken. Um dann – auch das ist sehr Amerikanisch – den Kopf freizuhaben für neue Chancen.

Über den Autor
John Mazeland ist Geschäftsführer der Business Alliance Niederlande Deutschland (BAND) in Nimwegen, die Workshops über Management und Unternehmenskultur in den Niederlanden veranstaltet.