Immer wieder wird in Deutschland vom Fachkräftemangel gesprochen, in vielen Branchen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. Daher hat man in der deutsch-niederländischen Grenzregion in den Kreisen Steinfurt und Warendorf sowie in der Gemeinde Enschede nun einen spannenden Ansatz gewählt, der das Problem lösen und gleichzeitig auch in den Niederlanden eine positive Wirkung entfalten könnte: In Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf hat die niederländische Gemeinde Enschede den Social Impact Bond „Arbeiten in Deutschland“ ins Leben gerufen. Gestern fand dazu bei der Kreishandwerkerschaft in Rheine die Auftaktveranstaltung statt. Ziel der Initiative ist es, in den kommenden zweieinhalb Jahren 138 Jobsuchende aus Enschede in ein Arbeitsverhältnis in Deutschland zu vermitteln.

Ein Social Impact Bond (SIB) ist ein gesellschaftliches Projekt, das sich über private Parteien finanziert. Wenn die abgesprochenen Ziele erreicht wurden, erhalten die Investoren ihr zur Verfügung gestelltes Kapital von der Gemeinde Enschede zurück. Die Parteien im SIB „Arbeiten in Deutschland“ – neben der Gemeinde Enschede sind das BOAS Werkt, die Start Foundation und ABN AMRO Social Impact Found – haben rund 1,1 Millionen Euro investiert und damit den Grundstein für den weltweit ersten grenzüberschreitenden Social Impact Found gelegt.

EUREGIO-Geschäftsführerin Elisabeth Schwezow begrüßte in Rheine die Anwesenden.

EUREGIO-Geschäftsführerin Elisabeth Schwezow begrüßte in Rheine die Anwesenden.

Win-Win-Situation
In Enschede liegt die Arbeitslosigkeit bei 8,5 Prozent, während in Nordrhein-Westfalen nur rund drei Prozent der Erwerbsfähigen keinen Job haben. Man geht davon aus, dass die Zahl der unbesetzten Stellen in NRW bis zum Jahr 2020 auf etwa 90.000 steigt. Mit der Initiative der Gemeinde Enschede könnte der Arbeitslosigkeit in Enschede und einem Arbeitskräftemangel im westlichen Münsterland entgegengewirkt werden. Ziel sei es auf deutscher Seite nicht nur, den Erwerbslosen zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen, vielmehr sollen sie auch die nötigen Qualifikationen erhalten“, erklärt Dr. Frank Tischner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf: „Wir freuen uns, Partner dieses Pilotprojektes zu sein und Menschen aus den Niederlanden in unseren Werkstätten zu schulen und fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Gerade in der derzeit schwierigen Zeit ist es wichtig, den Gedanken des einheitlichen Europas mitzugestalten und mit Leben zu füllen.“

Auch für die Gemeinde Enschede könnte sich das Projekt auszahlen – und zwar in doppelter Hinsicht: Nehmen einige, bis dato arbeitslos gemeldete, Bürger eine Beschäftigung in Deutschland auf, müssen auch weniger Sozialleistungen ausgeschüttet werden. Das eingesparte Geld könnte damit im Erfolgsfall des Social Impact Bonds in die Rückzahlungen der Investitionen der Partner fließen.

Schritt für Schritt zum Arbeitsvertrag
Arbeitssuchende, die sich für das Projekt interessieren, nehmen zunächst an einem vierwöchigen Schulungsprogramm bei der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf teil. Vom Bau über Metallverarbeitung und Sanitärarbeiten bis hin zum Schweißen. Vor allem sollen Themen wie allgemeines Fachwissen, Sicherheitstraining, deutsche Sprache und Kultur, Unterschiede zwischen deutscher und niederländischer Arbeitskultur sowie ein Besuch eines deutschen Arbeitgebers im Mittelpunkt stehen. Im Anschluss absolvieren die niederländischen Arbeitslosen ein Praktikum und erhalten – falls sie sich bewähren und den Job interessant finden – einen Arbeitsvertrag über mindestens sechs Monate. Der komplette Prozess wird neben der Kreishandwerkerschaft auch von BOAS Werkt begleitet, sodass die Niederländer immer einen Ansprechpartner aus dem eigenen Land haben.