Von den zehn größten Exportmärkten Deutschlands sieht der Kreditversicherer Atradius aktuell neben Polen und Italien auch die Niederlande als eines der Länder, in dem deutsche Lieferanten und Dienstleister am ehesten mit Zahlungsverzögerungen und -ausfällen rechnen müssen. Das geht aus einer internen Analyse des Unternehmens hervor.

„Die großen Abnehmerländer der deutschen Wirtschaft erscheinen derzeit zwar insgesamt stabil, dennoch gibt es in ihnen auch Branchen mit hohen Zahlungsrisiken“, sagt Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa von Atradius. „Die positive Gesamtentwicklung des Exportgeschäfts sollte Unternehmen deshalb nicht dazu verleiten, Gefahren für Forderungsausfälle zu ignorieren und die eigene Profitabilität aufs Spiel zu setzen.“

Große Insolvenzen im niederländischen Non Food-Handel

Bei Geschäften mit niederländischen Unternehmen meldeten deutsche Lieferanten in den vergangenen Monaten einen erhöhten Anteil an Forderungen, die auch nach Ablauf der Zahlungsverlängerungsfrist nicht beglichen waren. Das Land fiel zuletzt durch Zahlungsverzögerungen und -ausfälle im Non Food-Handel auf. Zwar verzeichnet der Sektor insgesamt wachsende Umsätze, jedoch haben nach wie vor einige niederländische Unternehmen Schwierigkeiten, ihr Geschäftsmodell den Anforderungen des Online-Verkaufs anzupassen. In jüngster Vergangenheit gab es mehrere größere Insolvenzen bei Elektronik- und Textilhändlern.

Generell entwickelt sich die niederländische Konjunktur positiv. Nach einem Plus des Bruttoinlandprodukts 2016 von 2,2 Prozent wächst die Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um 2,3 Prozent. Die Insolvenzen werden im Vergleich zu 2016 um 20 Prozent zurückgehen. Getragen wird die positive wirtschaftliche Entwicklung vor allem durch den prosperierenden Häuser- und Wohnungsmarkt, sodass sich der Baubereich inzwischen als am schnellsten wachsende Branche etabliert hat.

Die Gefahr, dass politische Risiken die Wirtschaft in den Niederlanden bremsen könnten, hat sich nach der niederländischen Parlamentswahl im Mai 2017 insgesamt verringert.