Auf AHA24x7.com befassen wir uns in erster Linie mit Unterschieden zwischen Deutschen und Niederländern. In diesem Fall jedoch geht es um die unterschiedliche Kommunikation von Venus und Mars – oder: von Männern und Frauen. Aber irgendwie hat es ja doch mit Deutschen und Niederländern zu tun. Schließlich heißt es doch allenthalben, dass Niederländer eine feminin geprägte Kultur haben und Deutsche ein maskulin geprägte. Oder?

 

Mit männlichen UND weiblichen Kommunikationsmustern gelassen in Führung gehen. Ein Vierteiler von Katja Schleicher.

Wir sind zurück mit unserer Reise in die Geheimnisse erfolgreicher weiblicher und männlicher Kommunikation: Erfolgreich werden diejenigen sein, die sowohl männliche als auch weibliche Kommunikationsmuster virtuos beherrschen und das passende Muster sinnvoll einsetzen können.

Harte vs. weiche Abgrenzungen
Worte. Phrasen. Sequenzen. Stärker segmentiert, deutlicher voneinander abgegrenzt und dadurch härter wirkend. Typisch männliches Kommunikationsmuster. Auch in verschiedenen Sprachen lässt sich das nachweisen: Deutsch, Niederländisch und Norwegisch werden in der Lautung eher als Kommando-Ton empfunden. Der gleiche Satz, die gleiche Betonung klingt dagegen im Französischen wie ein Schmeicheln. Weibliches Muster eben: dehnbarer, flexibler, weicher.

Einen eindeutigen Vorteil für das eine oder andere gibt es nicht. Eine ernstzunehmende Drohung im sachten Singsang formuliert, verfehlt ebenso ihr Ziel wie eine freundlich gemeinte Bitte, im Kommando-Ton vorgetragen. Jeder, der sich mit Muttersprache Deutsch ins Abenteuer Fremdsprache stürzt, hat eine ungefähre Idee, was das bedeutet. Denn beide Kommunikationsmuster finden sich auch in verschiedenen nationalen Kulturen wieder: Gesellschaftlich hierarchisch strukturierte Kulturen wie Frankreich oder Deutschland, in denen das männliche Kommunikationsmuster überwiegt, haben z.B. wenig oder keine emotionalen Probleme mit direkten Ansagen (klingen aber stimmlich total unterschiedlich!). Nutzt ein Unternehmen/ein Manager das gleiche Muster für einen ähnlichen Sachverhalt in überwiegend weiblich kommunizierenden Kulturen wie in Norwegen oder den Niederlanden (die aber stimmlich wiederum sehr männlich wahrgenommen werden), handelt er sich Widerstand oder emotionales Unverständnis ein.

Zugängliches oder vertrauenswürdiges Stimmmuster
Leichter Vorteil für alle, denen das männliche Muster vertrauter ist. Margret Thatcher hat es geübt und nochmal geübt, um seriöser zu wirken, die Wichtigkeit ihrer Botschaft auch akustisch zu verstärken: die Stimme am Ende des Satzes oder eines Gedankens bewusst absenken. Wir vertrauen einer solchen Stimme mehr als einer, die sich in schrille Höhen schraubt. Eine Stimme, die gesenkt bleibt, hat automatisch eine höhere Festigkeit und erweckt mehr Vertrauen. Wenn etwas auffordernd gemeint ist, dann sollte es akustisch und inhaltlich auch so verstanden werden können. In der Wirkung kritisch wird es dann, wenn sich der fokussierende Aspekt des männlichen Musters mit dem als weiblich empfundenen zugänglichen Stimmmuster (Stimme hebt sich am Ende des Satzes/ des Gedankens) paart. Das verstärkt die Panik beim Publikum.

Timing
Zeitliche Rahmenbedingungen sind oft ein deutliches Indiz dafür, welches Kommunikationsmuster zum Ziel führt. Das männliche Kommunikationsmuster wird unter anderem auch deshalb als durchsetzungsstärker erfahren, weil es enger mit zeitlichen Aspekten verbunden ist. Das heißt: Muss es schnell gehen, ist oftmals das männliche Kommunikationsmuster angebracht. Weitere Grundtendenz: je dringender, desto männlicher. Ein Moment, der in jeder Hinsicht dringlich ist, wie zum Beispiel ein Verkehrsunfall, kann das verdeutlichen. Dort ist das Zeitfenster so gering, dass es sehr schneller und deutlicher Ansagen (Imperativ! Ausrufezeichen!) bedarf. Hier leuchtet allen ein, dass Round-Table-Diskussionen fehl am Platz sind.

Tipp für übermäßig weibliches Kommunikationsmuster: Ja, es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an, zu dem man seine Ideen innerhalb eines Meetings auf den Tisch legt. Im weiblichen Muster wird jeder Beitrag zunächst gleich behandelt. Häufig genutzte Redewendung im weiblichen Muster: „Vielleicht sammeln wir erst mal alles, was wir schon haben…“ Häufiges Vorgehen im männlichen Muster: Man arbeitet sich in den Redebeiträgen von unwichtig zu wichtig vor. Das kann mit Anmoderation passieren (ein Zeichen dafür, dass es zumindest ein gewisses Maß an Verständnis an für weibliche Kommunikationsmuster gibt) oder es gilt als eine Art ungeschriebenes Gesetz am Meeting-Tisch. Und dann verschenkt die neue Kollegin, die gerne ihr Wissen teilt, diese Möglichkeit, zu punkten. Die süffisanten Aufforderung: „Ja, wir müssen doch zuallererst mal hören, was die neue Kollegin zu diesem Thema anzubieten hat“, kann man übrigens elegant zurückspielen: „Es wäre für meinen Teil sehr günstig, wenn wir den im Anschluss ans Produktmanagement behandeln könnten.“

Ein Tipp zur Portfolio-Erweiterung für alle, die hauptsächlich im männlichen Muster unterwegs sind: In Besprechungen mehr Zeit einplanen und diese „unsortierte Bestandsaufnahme“ als Möglichkeit nutzen, nachher schneller und gleichermaßen weniger konfrontativ zu priorisieren.

 

Hier geht es zum ersten Teil des Vierteilers.

Hier geht es zum zweiten Teil des Vierteilers.

 

IMG_4031Über die Autorin

Katja Schleicher
ist Kommunikations-Trainerin, interkultureller Coach und Storytelling-Expertin im europäischen Umfeld. Sie wusste schon früh, dass Reden Gold und Schweigen der Anfang von allem Unglück ist. Deshalb bringt sie mit IMPACT! Communication Coaching Manager und Teams zum interkulturellen Reden – und arbeitet mit ihnen an der Verbesserung ihrer kommunikativen Wirkung im Dialog, Interviews und Präsentationen. In drei Sprachen und ganz Europa.
www.interview-training.eu