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Niederlande sollen unabhängiger von Energieimporten werden

Sicherheit ist in Zeiten kriegsbedingter Spannungen keine Selbstverständlichkeit mehr. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und der eskalierte Konflikt im Nahen Osten zeigen nur allzu deutlich, dass sich auch die Niederlande mit möglichen Bedrohungen auseinandersetzen müssen. Dieser Auffassung ist eine ganze Reihe namhafter Experten aus den Bereichen Energie, Geopolitik und Sicherheit, die ihre Erkenntnisse jüngst in dem Bericht „Autonoom en veilig: hoe Nederland zijn energiepositie kan versterken“ („Autonom und sicher: Wie die Niederlande ihre Energieposition stärken können“) veröffentlicht haben. Die Niederlande müssten schneller auf nachhaltige Energie umsteigen, um in einer Welt mit zunehmenden geopolitischen Spannungen unabhängig zu bleiben, so die Wissenschaftler. Das berichtet die Nachrichtenplattform nu.nl.

Nur eine Energiewende garantiert Unabhängigkeit

Um drohende Gefahren durch Bomben oder Anschläge mittels Drohnen gehe es dabei eher nicht, so die Experten. Viel wahrscheinlicher sei die hybride Kriegsführung wie etwa Erpressung mit der Energieversorgung. Die Niederlande sind nach der Reduzierung von Gasimporten aus Russland derzeit zu 70 bis 80 Prozent von Gasimporten aus Norwegen und den USA abhängig. Nach Dafürhalten der Experten sollte die Energieversorgung des Landes auf jeden Fall vielfältiger und breiter gestreut sein. Aber eine grundlegende Lösung sei letztendlich nur durch eine Energiewende zu erreichen, das heißt durch den Einsatz erneuerbarer Energien aus heimischer Produktion.

Strategische Vorräte

Entsprechend lautet die Empfehlung: mehr Windkraftanlagen, Solaranlagen, Wasserstoff und auch Kernenergie. Der Bericht betont zudem die Notwendigkeit umfangreicher Investitionen in das Stromnetz, in Energiespeicherung und -einsparung, strategische Vorräte sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit Nachbarländern im Energiebereich. Zudem müsse die Energieversorgung besser vor (Cyber-)Angriffen geschützt werden. Sicherheit muss nach Meinung der Experten bereits bei der Planung der Infrastruktur berücksichtigt werden, und Systeme müssen über mehr Backups verfügen, damit sie bei Störungen weiterhin funktionieren.

„Energie ist auch eine Waffe“

Dass der Bericht gerade jetzt erscheint, ist nicht unbedingt zufällig. Im Jahre 2022 verzehnfachten sich die Gaspreise in Europa teilweise, weil die Niederlande die Einfuhr von Erdgas aus Russland eingestellt hatten. Aktuell greift der gleiche Mechanismus erneut, weil die wichtige Straße von Hormus durch den Krieg am Persischen Golf für Schiffe unpassierbar wurde. Die Folge: extrem hohe Gaspreise. Die Situation ist zwar weniger ernst als zu Beginn des Krieges in der Ukraine, da es seitdem mehr Alternativen zu russischem Gas gebe. Aber auch Länder wie die USA könnten Energie als Druckmittel einsetzen. „Energie ist nicht nur ein Ziel, sondern auch eine Waffe“, heißt es in dem Bericht. Die Experten geben der niederländischen Regierung 32 Empfehlungen, um einer Situation zuvorzukommen, in der eine ausländische Macht über die heimische Energieversorgung entscheidet. Neben einer beschleunigten Energiewende raten sie auch zu einem Notfallsystem für Extremsituationen.