Kreis Kleve will Präsenz in Holland stärken

Kreis Kleve will Präsenz in Holland stärken

„Raum für Investitionen“: Mit diesem Slogan wirbt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG) Kreis Kleve um Ansiedlungen. Besonders intensiv wird dieser Raum von niederländischen Investoren genutzt. Im Gespräch mit aha24x7.com erläutert WfG-Geschäftsführer Hans-Josef Kuypers, wie sich die Zahl niederländischer Investoren entwickelt hat – und wie der Kreis Kleve sein Engagement im Nachbarland verstärken will.

Niederländische Unternehmen bilden die wichtigste ausländische Investorengruppe im Kreis Kleve. Können Sie einige Zahlen dazu nennen?

Kreis-WfG: Ja, gerne. Wie es die gut-nachbarschaftlichen Beziehungen nicht anders erwarten lassen, so ist der Anteil niederländischer Handelsregister-Unternehmen ausgesprochen stark. Vier von fünf internationalen Handelsregister-Unternehmen im Kreis Kleve sind niederländischer Herkunft. In nackten Zahlen bedeutet dies: Von den 866 internationalen Unternehmen in unserem Kreisgebiet sind 700 niederländische. Wir meinen, dass der Kreis Kleve damit durchaus gut dasteht.

WFG Kreis Kleve, Geschäftsführer Hans-Josef Kuypers
WfG Kreis Kleve, Geschäftsführer Hans-Josef Kuypers

Macht sich der wirtschaftliche Aufschwung in den Niederlanden inzwischen auch bei den Investitionen aus dem Nachbarland bemerkbar?

Kreis-WfG: Die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve besucht seit vielen Jahren alljährlich die Provada in Amsterdam, die größte Messe für Immobilien und Investitionen im Nachbarland. Wir haben hier zusammen mit der Standort Niederrhein GmbH die schwierigen Zeiten bis zum Jahr 2015 erlebt, haben allerdings auch die Belebung deutlich gespürt. Gespürt haben wir diese Belebung allerdings in erster Linie auf der Messe selbst. Im Tagesgeschäft – alles Andere wäre Schönfärberei – möchte ich dies noch nicht behaupten. Nicht nur deshalb überlegen wir als Kreis-WfG derzeit, wie wir hier unsere Engagements intensivieren können. Natürlich wollen wir hier auch die Zusammenarbeit mit der DNHK, der Deutsch-Niederländischen Handelskammer, enger fassen. Einen wichtigen Meilenstein sehen wir auch im „Duitslanddag“ in Utrecht. Erste Überlegungen sind bei uns im Gange.

Welche Branchen sind besonders stark vertreten?

Kreis-WfG: Traditionell sind es die Dienstleister, die hier mit ersten kleinen Schritten den Weg zu einer GmbH auf deutschem Boden suchen. Das ist nach wie vor ein Thema. Deutlich nachgelassen hat die Nachfrage nach Einzelhandelsflächen auf deutscher Seite. Diese Nachfrage hat sich selbstverständlich seit jeher auf die Makler-Angebote fokussiert, ist allerdings durchaus auch bei uns „aufgeschlagen“. Wir führen dies auf die Tatsache zurück, dass die Niederländer noch stärker als wir das Internet nutzen und dieser Trend zum Einkaufen im Netz da noch weiter ausgeprägt ist. Leider hat sich vor wenigen Wochen ein niederländischer Investor von seinem Ansinnen verabschiedet, im  nördlichen Kreisgebiet 25 neue Arbeitsplätze durch einen Produktionsbetrieb im Metallbereich zu schaffen. Familiäre Strukturen hatten sich kurzfristig verändert, sodass die bereits vorhandenen Architektenpläne – ein hoher Aufwand für den Grundstückseigentümer – mit deutlich fünfstelliger Summe zu zahlen waren. Bedauerlich für alle Seiten.

Was sind aus Ihrer Sicht Leuchtturmprojekte?

Kreis-WfG: Wir wollen doch alle nicht vergessen, dass mit dem Wunderland Kalkar – heute 120.000 Übernachtungen pro Jahr – und dem Airport Niederrhein in Weeze – zwei Millionen Passagiere pro Jahr – Projekte zum Erfolg geführt wurden, die ohne den Mut niederländischer Investoren so nie hätten entwickelt werden können. Auch möchte ich die Ansiedlung von Red Sun in Kevelaer – es wird gut zehn Jahre her sein – als ein solches Leuchtturmprojekt bezeichnen. Aus einst zugesagten 150 Arbeitsplätzen wurden bis heute mindestens 250. Hier waren die Bodenschätze und damit auch die nachbarliche Kiesindustrie überzeugende Kriterien für die Ansiedlung. Aber nicht alleine zu den „Leuchttürmen“ sollten wir sehen, sondern mehr zu den vielen „kleinen Erfolgen“, deren Verschiedenartigkeit das Miteinander vor Ort ebenfalls positiv prägt.

Wo finden sich die jüngsten Investitionen?

Kreis-WfG: Eine der jüngeren Investitionen ist ganz sicher mit der Ansiedlung der Firma Geven Holzhandel GmbH in Weeze verbunden – ein Großhandelsunternehmen, das mit Unterstützung der Kreis-WfG und der Gemeinde Weeze den Weg ins „Schreinerdorf“ gefunden hat. In der Summe allerdings sind natürlich die Projekte Wunderland Kalkar und Airport Niederrhein in Weeze Investitionsstandorte der größeren Art geblieben. Nur damit dürfte Zukunftsfähigkeit gegeben sein. Die Regel sind kleinere drei bis fünf Mitarbeiter-Büros von Dienstleistern, die zum Teil mit uns gemeinsam den Versuch unternehmen, die Nähe deutscher und niederländischer Interessen zu intensivieren: Juristen, Unternehmensberater, Vertriebsspezialisten und ähnliche.

Was sind die wichtigsten Standortvorteile, die der Kreis Kleve niederländischen Investoren bieten kann?

Kreis-WfG: Wir stellen immer wieder fest, dass eine Präsenz im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen für den niederländischen Investor wichtig ist. Manche schätzen überdies das „Made in Germany“ als ergänzenden Faktor, wieder andere wollen einfach ihre Internationalität unweit des ureigenen Standortes unterstreichen. Faktisch spricht schon beim ersten Hinsehen die Nähe zu oder zwischen den Ballungsräumen Randstad und Ruhrgebiet eine deutliche Rolle. Nahezu unschlagbar, zumindest für niederländische Erfahrungen, sind unsere Preise für Gewerbegrund. Hier liegen wir bis zu 50 Prozent unter den niederländischen Preisen. Das ist durchaus auch ein Ansiedlungsargument der besonderen Art. Lassen Sie mich das aus Sicht einer Wirtschaftsförderung Kreis Kleve noch ergänzen: Das breite Angebot an kostenfreien Beratungsleistungen seitens der Wirtschaftsförderungen in Städten und Gemeinden, durch die Kreis-Wirtschaftsförderung, durch die Industrie- und Handelskammer wie auch die Handwerkskammer und ihre Kreishandwerkerschaft tun das Übrige. Das ist der Niederländer aus dem eigenen Umfeld so eher nicht gewohnt.

Wie können Sie als Wirtschaftsförderung niederländische Investoren unterstützen?

Kreis-WfG: Im Grunde habe ich diese Frage soeben bereits mehr als angeschnitten. Mit einem Anruf bei einem der angeführten Partner setzen sich Mechanismen in Bewegung, die schlussendlich bis zum Gespräch bei den Sparkassen oder Volksbanken führen können. Wir haben da einst auch das undeutsche Wort „One-Stop-Agency“ verwandt – eine Anlaufstelle für alle Fragen der Ansiedlung. Da sind wir, so glaube ich, ganz gut aufgestellt.

 

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