Homeoffice-Angebot immer öfter Voraussetzung für Bewerbung

Vier oder fünf Tage in der Woche zum Arbeiten ins Büro ist in den Niederlanden für immer mehr Angestellte eine Sache von gestern. Seit der Corona-Pandemie ist dort Arbeiten von zu Hause aus die normalste Sache der Welt. Vor allem Menschen mit höherem Bildungsniveau entscheiden sich inzwischen in großer Zahl für einen Job, bei dem sie nicht Vollzeit am Arbeitsplatz erscheinen müssen. Auch bei Absolventen mittlerer Ausbildungsgänge wird das Homeoffice immer beliebter. Dies geht aus einer Untersuchung der Zeitarbeitsfirma Randstad hervor, wie die Tageszeitung De Telegraaf berichtet.

Flexible Arbeitszeiten hoch im Kurs

Randstad führt jedes Jahr eine Befragung unter 2.500 Personen durch, um herauszufinden, welche Arbeitskonditionen sie für wichtig erachten und bei einer Bewerbung zur Voraussetzung machen. Das Gehalt steht dabei ganz oben auf der Liste – drei Viertel der Befragten achten darauf, bevor sie sich für eine Stelle entscheiden. Flexible Arbeitszeiten stehen ebenfalls hoch im Kurs. 35 Prozent der Befragten halten dies für ein Plus. Ein Viertel möchte auf jeden Fall zu Hause arbeiten können. Letzteres wird der Randstad-Erhebung zufolge vor allem von Menschen im Alter zwischen 35 und 45 Jahren zur Bedingung gemacht. Jeder dritte Arbeitnehmer in dieser Altersgruppe möchte nicht mehr Vollzeit im Büro arbeiten, wenn dies möglich ist. In der Gruppe der 25- bis 35-Jährigen ist es ein Viertel.

Ein Vergleich über die Jahre hinweg zeigt, dass zunächst vor allem die höher Gebildeten, häufig im Finanz- und IT-Sektor, die Möglichkeit zur Heimarbeit forderten. Die Hälfte der Steuerberater arbeitet von zu Hause aus. Bei den Datenanalysten sind es 45 Prozent, bei den IT-Entwicklern knapp 40 Prozent. Immer mehr Hochschulabsolventen fordern ihre Chefs auf, ihnen die Arbeit von zu Hause aus zu ermöglichen. Etwas mehr als 40 Prozent der Callcenter-Mitarbeiter arbeiten in den Niederlanden inzwischen am Wohnzimmer- oder Küchentisch. In über zehn Prozent der Stellenanzeigen für Realschulabsolventen ist die Arbeit von zu Hause aus eine Option.

Stellenausschreibungen folgen der Entwicklung

Der wichtigste Grund, lieber im Homeoffice zu arbeiten, sind lange Fahrtzeiten. Die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie für die Anreise zum Arbeitsplatz täglich eine Stunde oder mehr braucht. Ein weiterer Grund ist die Zahl der Arbeitsstunden. Sobald diese 32 Stunden pro Woche übersteigt, steigt der Wunsch, von zu Hause aus zu arbeiten. Interessant ist die Randstad-Erhebung auch, was das Angebot der Arbeitgeber bei Stellenausschreibungen betrifft. Randstad hat Millionen von Stellenanzeigen untersucht, um herauszufinden, wie oft Arbeitgeber die Möglichkeit anbieten, (teilweise) von zu Hause aus zu arbeiten. Zu Beginn der Pandemie war dies bei höchstens drei Prozent der angebotenen Stellen der Fall. Während der Pandemiezeit stieg dieser Anteil auf etwas mehr als zwölf Prozent, im vergangenen Jahr waren es etwa 15 Prozent der Stellenangebote.