Von: Caroline Wille, Rijnland Instituut

Welchen Hindernissen begegnet man beim grenzübergreifenden Austausch mit Schulen? Welche Kompetenzen helfen diese erfolgreich zu überwinden und welche Tipps beherzigt werden sollten beim arbeiten mit und an Schulen in der Grenzregion, soll in diesem Text erläutert werden. Der Fachtag der Bildungsregion Emsland in Rhede hat ein deutliches Bild hierüber abgegeben.

Oftmals wird der Wunsch geäußert, über die Grenzen hinweg zusammen zu arbeiten, Schülern die Möglichkeit zu geben, das Nachbarland kennenzulernen und auch als Bildungsregion gemeinsam einen Austausch zu generieren.

Nicht selten scheitern solche Projekte. Aber dies muss nicht sein. Mit ein paar Tipps und Hintergrundwissen über die Systeme und die Kulturdiversität kann ein grenzübergreifendes schulisches Engagement gelingen und sogar in den täglichen Schulalltag integriert werden.

Deutsch-niederländischer Fachtag

Am 13. Februar 2019 fand in Rhede der erste deutsch-niederländische Fachtag, initiiert von der Bildungsregion Emsland, statt. „Von der Kita über Grundschule und weiterführenden Schule bis hin zur beruflichen Bildung sollen in vier zweisprachigen Foren Kontakte zum Nachbarland geknüpft und aufgebaut werden.“ (Quelle: https://www.bildungsregion-emsland.de/aktuelles/das-emsland-trifft-die-niederlande-emsland-ontmoet-nederland.html)

PraktiTrans

Vom Rijnland Instituut und als Partner des Projektes PraktiTrans (Arbeitsmarkt Noord, EDR) durften wir an dieser Veranstaltung teilnehmen. In unserer inzwischen jahrelangen Arbeit mit Schulen in der Grenzregion,waren wir bestreb,t in unserem Projekt PraktiTrans Angebote zu schaffen, die Schülerinnen und Schülern einen Blick über die Grenze ermöglichen, nachhaltig Kontakte aufbauen und vor allem den Lehrkräften maßgeschneiderte, aber auch pragmatische Lösungen vorzustellen.

Erstaunt hat uns an diesem Fachtag die rege Anteilnahme von deutschen, aber vor allem auch niederländischen Lehrkräften. Etliche kamen mit eigenen Erfahrungen, um weitere Ansätze zu finden und Kontakte zu knüpfen. Auch völlig unerfahrene, aber interessierte Lehrkräfte und Elternvertreter, sowie Protagonisten aus der Politik waren anwesend, um sich über Möglichkeiten, Angebote und Lösungsansätze zu informieren und auszutauschen. In den einzelnen Workshops zeigte sich ein deutliches Interesse und der dringende Wunsch, sich kennenzulernen und vor allem aktiv zu werden.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Hier merken wir immer wieder, wie schwierig es in der Arbeit mit Schulen im Grenzgebiet ist, einen solchen Wunsch zufriedenstellend zu realisieren. Die Frage, die sich stellt, ist: Welche grundlegenden Dinge sind nötig, um erfolgreich auf diesem Gebiet zusammen zu arbeiten? Was benötigt man für einen grenzübergreifenden Austausch?

Den Wunsch es tun zu wollen, der vor allem auch durch die Schulleitung getragen werden sollte!

Und engagierte Lehrkräfte. Diese fungieren als Motor. Ein langer Atem ist unabdingbar. Im optimalen Fall besitzt man Sprachkenntnisse. Ist man im Besitz interkultureller Kenntnisse der jeweiligen Grenzregion, ist das schon die halbe Miete. Da die Sprachkenntnisse und das fehlende Wissen über die unterschiedlichen Kulturen bei einem Erstkontakt oft Ausgangssituation ist, muss man sich beides über die Jahre mühsam erarbeiten, Unterstützung suchen oder kreative Wege finden. Was man aber auf jeden Fall vorab benötigt, sind Offenheit und Verständnis.

Fassen wir zusammen. Ein grenzübergreifender Austausch zwischen Schulen benötigt: einen ausgeprägten Wunsch, persönliches Engagement, Durchhaltevermögen, Offenheit und Verständnis.

Orientierung

Eine Idee, die nicht in Stein gemeißelt ist, hilft bei der Orientierung und um überhaupt anzufangen. Was dann noch dazu kommen muss, sind geeignete Ansprechpartner. Nun können Lehrer auf eigene Faust starten. Im Internet ist es einfach, eine Schule im Nachbarland zu finden. Doch dann die erste Hürde. Welche Schulform ist es? Passt die Schule zu der eigenen?

Mit ein wenig Recherche im Internet kann man dies ebenfalls allein lösen. Es findet sich inzwischen genügend gut aufbereitete Literatur, sowie Übersichten, die  im Internet oder bei den unterschiedlichen Euregios hierüber aufklären. Wenn dann eine geeignete Schule ausfindig gemacht wurde, erfordert es idealerweise Sprachkenntnisse und eine ordentliche Portion Mut, um den Kontakt zu dieser Schule aufzunehmen. Selbst wir, die ein gutes und zuverlässiges Netzwerk haben, die Sprache und die Landeskulturen kennen, scheitern noch so manches Mal an dieser Aufgabe. Warum? Weil wir bei einem Erstkontakt den jeweiligen Verantwortlichen Lehrer nicht kennen. Oder um es genauer auf den Punkt zu bringen: Wir kennen den genauen Ansprechpartner nicht, denn nicht jede Schule hat einen Verantwortlichen für das Nachbarland. Hat also eine Schule in der Grenzregion selbst noch keinen Austausch, ist es nicht einfach, einen Kontakt herzustellen, da die internen Strukturen noch nicht angelegt sind.

Unser Tipp: Unterbreiten Sie ein konkretes Angebot, ein maßgeschneidertes Projekt, welches einen Mehrwert für ihre eigene Schule, aber auch vor allem für die andere Schule bietet. Denken Sie bei einer deutschen Schule an eine fundierte Vorbereitung und eine gute, langfristige Planbarkeit. Bei einer niederländischen Schule punkten sie mit einem praktikablen und flexiblen Angebot. Versuchen sie jeweils auf die Schwerpunkte der Schulen einzugehen. Die Niederländer wagen gerne Neues, die deutschen können Projekte mit einem langfristigen Mehrwert besser integrieren. Für beide Seiten gilt: Lassen sie Spielraum für Anpassungen.

Grenzübergreifendes Netzwerk

Und selbst dann ist und bleibt es ein Unterfangen mit großartigen Erfolgen, aber auch Frustration und Niederschlägen. Die regionalen Angebote für Schulprojekte, die auch gefördert werden, sind inzwischen reichlich vorhanden. Eine erste gute Anlaufstelle ist immer die jeweilige Euregio. Diese ist im Internet schnell gefunden, sollten Sie noch keinen Kontakt zu einer solchen Stelle gehabt haben. Ein Anruf genügt und man bekommt fachkundige Beratung und Ansprechpartner. Aber auch die Landesschulbehörden haben Mitarbeiter für das Nachbarland, die gut informiert sind und ein grenzübergreifendes Netzwerk bieten.

 

Caroline Wille. Foto: Hoge Noorden / Jacob van Essen

Über die Autorin

Caroline Wille ist an der NHL Stenden in Emmen seit 2011 für grenzübergreifende Angelegenheiten im Rijnland Instituut tätig. Sie beschäftigt sich neben inhaltlichen Hochschulthemen auch mit regionaler Projektarbeit. Aufgewachsen ist sie in Deutschland studiert hat sie in den Niederlanden.  Heute lebt und arbeitet sie in beiden Ländern.

 

 

 

 

 

 

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