Ralf Huppertz ist mit seinem Unternehmen Euregio-Medienservice gleich in drei Ländern aktiv. Neben Deutschland und den Niederlanden bietet er seine Dienstleistungen – unter anderem eine Jobbörse sowie Anzeigenberatung und -verkauf – auch in Belgien an. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich wohnt und arbeitet er im Dreiländereck. AHA24x7.com hat sich mit ihm über die grenzüberschreitenden Unterschiede in seiner Branche unterhalten.

AHA24x7.com: Sie kennen sich sowohl  auf dem deutschen als auch auf dem niederländischen Markt aus. Wo liegen beim Anzeigenverkauf die größten Unterschiede zwischen beiden Ländern?

Ralf Huppertz: Es gibt in den Niederlanden nahezu nur regionale Medien für jede Provinz, überregional erscheint nur De Telegraaf. Anzeigenblätter sind sehr lokal, also Ausgaben quasi für jede Gemeinde – das haben wir auf dem deutschen Markt so nicht. Boulevardblätter á la Bild gibt es nicht und die Gratiszeitungen Metro erscheinen nur in den Ballungsräumen im Westen.

Für Anzeigenkunden wie Autohersteller, Stromanbieter und Telekommunikationsunternehmen gilt, dass viele nationale Kampagnen in den Tageszeitungen erscheinen. In den Anzeigenblättern wird sehr stark regional und lokal geworben. Beilagen liegen nicht in Anzeigenblättern und in Tageszeitungen ist nur eine Beilage je Ausgabe gestattet. Ähnliches gilt übrigens auch für den belgischen Markt. Beilagen werden grundsätzlich von den einzelnen Gemeinden mit Umweltsteuern belegt, was eine Verteilung relativ teuer macht. Somit sieht man hier auch in den Zeitungen sehr wenige Beilagen. In den Niederlanden wird teilweise auch mit freien Verteilern gearbeitet, viele Briefkästen tragen aber den Aufkleber „NEE.“

Wenn ich  die niederländischen Anzeigen- und Online-Kunden betrachte, kann ich aus langjähriger Erfahrung sagen, dass ich die Zusammenarbeit außerordentlich schätze – auch wenn es mitunter sehr harte Verhandlungspartner in puncto Preis und Konditionen sind. Hat man den Kunden aber erst einmal an Bord, dann ist die Geschäftsbeziehung in der Regel langfristig. Erfreut sind die Kunden auch immer, wenn ein Deutscher fließend ihre Sprache spricht.

 

“Anzeigen werden auch vorwiegend in Modulgrößen angeboten und nicht in individuellen Größen wie in Deutschland.”

 

AHA24x7.com: Auf was müssen deutsche Inserenten also achten, wenn Sie in den Niederlanden eine Anzeige schalten möchten?

Huppertz: Die werbliche Ansprache ist in den Niederland etwas direkter als in Deutschland, frei nach dem Motto „Drie halen twee betalen“. Anzeigen werden auch vorwiegend in Modulgrößen angeboten und nicht in individuellen Größen wie in Deutschland. Selbstverständlich wird die Anzeige von uns ins Niederländische übersetzt, denn eine Kommunikation in deutscher Sprache ist ein absolutes K.O.-Kriterium auf dem niederländischen Markt, auch wenn die meisten Kunden gerade im Grenzgebiet das durchaus lesen und verstehen können.

AHA24x7.com: Sie betreiben auch eine Jobbörse, die Stellen in Deutschland, den Niederlanden und Belgien bereithält. Gibt es auch hier landestypische Unterschiede?

Huppertz: In Belgien ist es beispielsweise so, dass es keine 450-Euro-Jobs gibt. Hier müssen auch Teilzeitbeschäftigungen komplett anmeldet werden und es entstehen dadurch insbesondere für den Arbeitgeber wesentlich höhere Kosten in Form von Sozialabgaben und Lohnnebenkosten. Gerade im Bereich der Gastronomie ist es in Belgien sehr schwierig geeignetes Personal zu finden, da quasi nur Vollzeit eingestellt werden kann. Ansonsten gibt es im Vollzeitbereich quasi einen Pendelverkehr in beide Richtungen – Sprachbarrieren sind ja in Ostbelgien keine vorhanden. Viele Unternehmen suchen jedoch auch gezielt Arbeitnehmer, die zwei- und dreisprachig sind. Gleiches gilt für den Arbeitsmarkt in den Niederlanden. Hier findet ein Austausch in beide Richtungen statt – die Limburger fahren zur Arbeit ins deutsche Grenzgebiet und umgekehrt.

AHA24x7.com: Welche Tipps geben Sie deutschen Unternehmen, die auf der Suche nach niederländischen Mitarbeitern sind?

Huppertz: Die direkte Ansprache sollte auch hier auf Niederländisch oder auch Englisch sein, wenn gezielt der niederländische Markt angesprochen werden soll. Die Formulierung darf auch ruhig etwas lockerer sein. Man kann aber auch durchaus in der deutschen Anzeige mit einem (niederländischen) Satz darauf hinweisen, dass man sich auch auf Bewerbungen aus den Niederlanden freut. Wir verzeichnen übrigens auf unserem Portal zunehmend mehr Besucher und Arbeitnehmer-Registrierungen aus den Niederlanden. Der Bedarf ist also da.

Vielen Dank für das Gespräch!

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