Rekordjahr 2014 für die niederländische Zulieferindustrie

Rekordjahr 2014 für die niederländische Zulieferindustrie
Dieter Schütz / pixelio.de

Vielleicht nicht immer sichtbar, aber sehr wohl von ernstzunehmender Bedeutung in den Niederlanden ist die Zulieferindustrie, unter anderem für den Automotive-Sektor. Da die Zulieferung von verschiedenen Branchen aus stattfindet, variierend von Gummi und Kunststoffen bis zur elektrotechnischen Industrie und von der Chemie bis zur Metallbearbeitung, kostet es einige Mühe diesen Wirtschaftszweig klar einzuordnen und zu analysieren. Für die direkte Zulieferung an die Automotive-Industrie im Jahre 2014 wurde ein Gesamtwert von 9,2 Milliarden Euro berechnet. Das ist einschließlich der Zulieferung an die Produktion von Autoteilen, wie aus dem offiziellen Bericht „Niederländische Zulieferer des Automotive-Sektors: Stark im Export, stark in Innovation“ hervorgeht. Dieser wurde vor kurzem vom Wirtschaftsbüro der ING Bank veröffentlicht.

Der Automotive-Sektor war im Jahr 2009 einer der am heftigsten getroffenen industriellen Bereiche. Die Kombination von ausbleibender Nachfrage einerseits und der strukturellen Verringerung von Vorräten andererseits hatte in der Zulieferindustrie einen Umsatzrückgang von mehr als 30 Prozent zur Folge. Der Markt erholte sich jedoch ziemlich schnell und auch mit Überzeugung, denn im Jahr 2011 konnte man einen Umsatz von neun Milliarden Euro verbuchen. Der lag damit höher als vor der Krise. Nach zwei etwas schwächeren Jahren hat der Umsatz im vergangenen Jahr 2014 weiter zugenommen und belief sich nach Schätzungen auf 9,2 Milliarden Euro. Ein neuer Rekord. Viele niederländische Betriebe sind seit Jahren in der Automotive-Kette aktiv. Zudem innovieren sie immer mehr zusammen mit dem Autofabrikanten oder dem Direktzulieferer, womit sie sich eine starke Wettbewerbsposition verschaffen. Diese Firmen konnten vom Wachstum des Automotive-Sektors, hauptsächlich in Deutschland, aber auch in Großbritannien und den USA, profitieren.

Holland Zulieferland II44 Prozent
Wegen des Umfangs und aufgrund der geografischen Nähe richtet sich die Aufmerksamkeit vieler Unternehmen auf den deutschen Automotive Markt. Die Zulieferindustrie macht 44 Prozent des Exportumsatzes im Nachbarland, und zwar bei großen Kunden wie Volkswagen, BMW oder Daimler. Für manche Branchen im Zulieferbereich liegt dieser Anteil sogar noch höher. So finden 60 Prozent der chemischen Produkte innerhalb der Zulieferung an den Automotive-Sektor ihren Weg auf den deutschen Markt.

Wachstum in Deutschland
Innerhalb Europas macht vor allem die deutsche Autoindustrie in den vergangenen Jahren einen starken Eindruck. Davon haben auch die niederländischen Zulieferer profitiert und das hat dem gesamten Umsatz gut getan. Im Jahr 2014 konnte man nach Schätzungen für 3,6 Milliarden Euro an die deutschen Autobauer und die Teileindustrie liefern. Im Vergleich zu vor fünf Jahren wusste der Zuliefersektor in den Niederlanden seine Marktposition in Deutschland leicht zu verbessern. Der Anteil am gesamten Import der deutschen Automotive- Industrie beträgt ungefähr vier Prozent.

Viele westeuropäische Länder haben Marktanteile an Osteuropa verloren. In diesem Zusammenhang beweist der bescheidene Zuwachs des niederländischen Anteils die wertvolle Rolle, welche die niederländische Zulieferindustrie in Bezug auf Deutschland spielt. Und schließlich konnte die Zulieferung an die USA nach der Krise im Jahr 2009 starke Zuwachsraten verzeichnen. Auch mit Blick auf die kommenden Jahre gibt es hier noch genügend Chancen auf mehr Umsatz.

Holland Zulieferland IIIMetallsektor
Wie bereits erwähnt, kennt der Automotivebereich eine Vielzahl von Branchen als Zulieferer. Zum einen natürlich die Produzenten von Teilen. Davon abgesehen macht der stark vertretene Metallsektor einen Umsatz von mehr als 2,3 Milliarden Euro in der Automotive-Industrie. Die Chemie (hierbei ist zu denken an Autolacke oder Kunststoff teile wie etwa Armaturenbretter) und die Elektronik-Industrie (zum Beispiel Sensoren oder Navigationsausrüstungen) kommen auf einen Umsatz in Höhe von etwa einer Milliarde Euro. Auch die Gummi- und die Kunststoffindustrie (darunter die Hersteller von Autoreifen) machen viele Hunderte von Millionen Euro Umsatz in der Automotive-Kette.

In den vergangenen Jahren sind die Anteile der einzelnen Branchen im Zuliefergeschäft im Großen und Ganzen gleich geblieben. Innovation (beispielsweise allerlei Leichtgewichtmaterialien) und mehr Elektronik könnten in Zukunft dafür sorgen, dass hier einige Verschiebungen auftreten.

Sparsamer und stärker
Zulieferer spielen eine wichtige und kritische Rolle in Hinsicht auf weitere Verbesserungen von Autos und Lastwagen. Was LKWs betrifft, liegt das Hauptaugenmerk nun auf der Verminderung des CO2-Ausstoßes, nachdem man sich in den letzten Jahren mehr auf das Verringern von Stickstoff und Ruß in den Abgasen gerichtet hatte. Für das Vermindern der CO2-Werte muss in erster Linie eine weitere Einsparung von Kraftstoff erreicht werden. Mit Hilfe einer noch besseren Aerodynamik sind hier noch aussichtsreiche Ergebnisse zu erzielen.

Die Vorschriften sind in letzter Zeit erweitert worden, wodurch es zum Beispiel erlaubt ist Spoiler anzubringen. Für Zulieferer ergeben sich Möglichkeiten für Innovationen durch den Gebrauch von anderen Formen oder Materialien (Kunststoffe und Metalle). Eine verstärkte Anwendung von elektronischen Komponenten setzt sich noch immer in hohem Tempo fort. Immer intelligentere Bordcomputer funktionieren mit einer hohen Anzahl von „leistungsorientierten Indikatoren“ in den Bereichen Effizienz und Planung. Sie sind damit in der Lage selbst Anpassungen durchzuführen.

High-Tech als Schlüsselbegriff
Auch was Personenwagen angeht, ist High-Tech längst zu einem Schlüsselbegriff geworden. Autos werden mit immer mehr Systemen in Bezug auf die Sicherheit ausgestattet, mit dem selbstfahrenden Auto als Endziel. Außerdem ist ein Trend erkennbar, dass Autos in zunehmendem Maße mit verschiedenen Online-Ausstattungen versehen werden. Dadurch ist der Fahrer weitgehend „connected“. Das Armaturenbrett sieht immer mehr wie ein Tablet aus. Eine Verbindung mit Außenstehenden ermöglicht eine breitere Verfügbarkeit von Daten des Autos. Dies kann im Bereich „After-Sales“ ein Vorteil sein, etwa was eine bessere zeitliche Abstimmung von Wartungsterminen oder beim Auswechseln von Teilen angeht. In der Welt des „Connected Cars“ bieten sich ganz nachdrücklich geschäftliche Chancen für die bekanntlich innovative niederländische High-Tech Firmengruppierung. Und zu guter Letzt bleiben die Entwicklung von neuen Antriebssystemen (Hybrid, Elektro, Wasserstoff) und die Anwendung neuer Materialien (Aluminium, Fasern aus Kohlenstoff) wichtige und vielversprechende Aktivitäten für Zulieferbetriebe.

Holland ZulieferlandHolland Zulieferland
Die niederländische Fertigungsindustrie stellt sich deutschen Industrieunternehmen in Nordrhein-Westfalen vor. „Holland Zulieferland“ ist der Titel der ersten deutschsprachigen Ausgabe, die der Verlag MYbusinessmedia auf den deutschen Markt bringt. Holland Zulieferland erscheint zunächst zwei bis drei Mal im Jahr in einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Die Redaktion übernimmt „Vraag en Aanbod“.

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