Die drohende Lücke in der Rentenkasse beschäftigt ähnlich wie in Deutschland aktuell auch die Niederlande. Und das hat seinen Grund in der Ankündigung der neuen noch nicht vereidigten Regierung des linksliberalen Wahlgewinners Rob Jetten (D66), das Renteneintrittsalter zügiger in Richtung 70 anzuheben. Das sorgt vor allem unter Arbeitnehmern, die Schwerstarbeit leisten, für Unruhe. Hunderttausende Arbeitnehmende in den Bereichen Bauwesen, Metallindustrie, Gesundheitswesen, Transportwesen und Hafenwirtschaft machen sich Sorgen, ob sie ihr Rentenalter dann noch bei guter Gesundheit erreichen werden. Das berichtet die Nachrichtenplattform nu.nl.
Neue Regierung bricht Abkommen
Erst im vergangenen Jahr wurde diesbezüglich eine Vereinbarung für Menschen mit körperlich schweren Berufen geschlossen. Eine neue Vorruhestandsregelung, die zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt wurde, soll dafür sorgen, dass diese Arbeitnehmer drei Jahre früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden können. Dies steht mit der Ankündigung der neuen Koalition, das Rentenalter anzuheben, gleich wieder zur Disposition.
Für die Gewerkschaft FNV ist das nicht machbar und völlig inakzeptabel. Ein Lastenträger oder Hafenarbeiter hat es nach Meinung eines FNV-Sprechers schon jetzt schwer, gesund in den Ruhestand zu kommen. Außerdem sei die im vergangenen Jahr vereinbarte Regelung Teil der Rentenvereinbarung. Die neue Koalition breche jetzt damit. Im Rentenabkommen zwischen Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften wurde 2025 vereinbart, dass das Renteneintrittsalter für jedes zusätzliche Lebensjahr um acht Monate angehoben wird. Die neue Koalition möchte jedoch, dass das Renteneintrittsalter ab 2033 für jedes zusätzliche Lebensjahr um ein ganzes Jahr angehoben wird. Das bedeutet, dass Menschen in ihren Dreißigern erst mit 70 Jahren in Rente gehen können.
Arbeitsunfähigkeit als Rentenrisiko
Vor allem Arbeitnehmer in körperlich anstrengenden Berufen machen sich aufgrund der Pläne der künftigen Regierung große Sorgen. Sie haben bereits jetzt große Schwierigkeiten, gesund bis zum Ende ihrer Laufbahn durchzuhalten, und scheiden vorzeitig aus. Das gilt beispielsweise für die Stauer und Kranführer im Rotterdamer Hafen. In den 1980er-Jahren gab es noch Regelungen für den vorzeitigen Ruhestand. Damit sollten jungen Menschen größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt eingeräumt werden. Doch aktuell haben die Niederlande mit Personalmangel und Überalterung zu kämpfen. Die geplante Anhebung des Rentenalters soll nun dafür sorgen, dass die Menschen länger arbeiten. Dazu sind aber nicht alle in der Lage.
Und genau das birgt für Arbeitnehmer, die ab einem bestimmten Alter nicht mehr in der Lage sind, die erwartete Leistung zu bringen, durchaus gewisse Risiken. Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz, werden langzeitarbeitslos oder arbeitsunfähig. Das bedeutet, dass sie irgendwann für einen noch längeren Zeitraum Sozialhilfe beziehen müssen. Aufgrund dessen verschlechtert sich nach Meinung von Arbeitsmarktexperten logischerweise auch ihre (spätere) Einkommenssituation erheblich.
