Bahnmitarbeiter werden während der Zugfahrt oder an Bahnsteigen immer öfter Opfer verbaler und physischer Gewalt seitens der Reisenden. In Deutschland kam es dabei bereits zu einer Auseinandersetzung mit Todesfolge. In den Niederlanden ist die Situation nicht anders. Auch hier rasten Zugreisende beim geringst Anlass völlig aus und werden handgreiflich. Während in Deutschland der Einsatz von Bodycams diskutiert wird und Zugbegleiter demnächst bei der Fahrscheinkontrolle darauf verzichten sollen, die Identität der Fahrgäste festzustellen, bereitet das niederländische Bahnunternehmen NS spezielle Security-Mitarbeiter ab sofort auf den Einsatz von Schlagstöcken vor, wie die Tageszeitung Algemeen Dagblad (AD) berichtet.
Mit Genehmigung der Regierung
Die NS hat Ende Februar mit der Schulung ihres Personals im Umgang mit dem Schlagstock begonnen. Die ersten Sicherheitsmitarbeiter werden voraussichtlich ab April den Schlagstock tragen. Die Testphase für das Tragen eines Schlagstocks beträgt ein Jahr. Die NS erhielt im vergangenen Jahr von der Regierung die Genehmigung, 75 Sicherheitsmitarbeiter mit einem Schlagstock auszustatten. Neben dem Schlagstock-Test ergreift die NS weitere Maßnahmen, um die Sicherheit der Kollegen zu verbessern. So werden die Zugbegleiter später in diesem Jahr mit einer Bodycam ausgestattet.
Identitätsüberprüfung in Eigenregie
Darüber hinaus möchte die NS, dass die Verkehrsüberwachungs-Mitarbeiter Zugang erhalten zum Führerscheinregister, zur Strafverfolgungsdatenbank und zum Ausländerregister, damit sie die Identität einer verhaltensauffälligen Person in Eigenregie und ohne polizeiliche Unterstützung feststellen können. Die neue Regierung, die gerade vereidigt wurde, hat in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, sich dafür einsetzen zu wollen.
NS-Mitarbeiter werden immer häufiger Opfer schwerer körperlicher und verbaler Übergriffe. Der häufigste Grund für solche Vorfälle war die Zurechtweisung wegen unangemessenen Verhaltens. Nach Angaben der NS ging die Zahl der Übergriffe in Zügen zwar zurück, an den Bahnhöfen gab es jedoch mehr Meldungen. Auch seien die Aggressionen heftiger geworden, insbesondere gegenüber den Mitarbeitern von Sicherheit & Service, hieß es von Seiten der NS im vergangenen Jahr.
Polarisierung ruft zunehmend Aggressionen hervor
Oft handelte es sich um Bedrohungen von Mitarbeitern. Manchmal wurde NS-Personal auch angespuckt. Die NS versucht, mit Maßnahmen die Sicherheit zu verbessern. So wird an Bahnhöfen und in Zügen schon länger Sicherheitspersonal eingesetzt, manchmal auch mit Hunden. Dennoch ist laut dem Unternehmen mehr erforderlich. Laut einem Unternehmenssprecher ist in der niederländischen Gesellschaft in den vergangenen Jahren eine deutliche Zunahme von aggressivem, sexuell grenzüberschreitendem Verhalten festzustellen, immer öfter auch Waffenbesitz zu beobachten. Die Asylbewerberproblematik sowie eine fortschreitende Polarisierung in der Gesellschaft täten ein Übriges. Auch die NS sei damit konfrontiert, könne dies aber nicht alleine lösen.
