Vor einiger Zeit hatte ich in meinem letzten Blog über meine Anfangsjahre im INTERREG-Programm und meine Startphase bei der EUREGIO in Gronau berichtet. Lag der Schwerpunkt des INTERREG-Programms in den Phasen I und II noch im sozio-kulturellen Bereich, so entwickelte es sich ab INTERREG-III immer mehr zu einem grenzüberschreitenden Wirtschaftsprogramm. Themen wie Mechatronik, Robotik, Zusammenarbeit zwischen kleinen und mittleren Betrieben, Wissenstransfer zwischen Universitäten und Unternehmen etc. bekamen eine immer größere Bedeutung in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Deutschland. Aber auch die strukturelle und professionelle grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Tourismus rückte immer stärker in den Fokus.

Mehr grenzüberschreitender Tourismus

So durfte ich damals bei der EUREGIO daran mitwirken, mit dem Projekt „Tourismus-Offensive EUREGIO“ das erste große Vorhaben auf dem Weg zu bringen, wo erstmals die touristischen Regionalverbände gemeinsame Marketingpläne erstellten, Zielgruppen definierten, konkrete Produktlinien entwarfen etc., um mehr Tagesausflügler und Übernachtungsgäste aus dem jeweiligen Nachbarland zu generieren. Und schnell wurden Erfolge sichtbar – denn grenzüberschreitende Zusammenarbeit lohnt sich und stellt einen Wert an sich dar. Seit Jahren steigen die Zahlen von Besuchern aus den Niederlanden in NRW und umgekehrt, was nicht nur, aber sicherlich überwiegend an der guten Projektarbeit in dem Projekt „Tourismus-Offensive EUREGIO“ und am mittlerweile 3. Nachfolgeprojekt liegt. Für die touristischen Regionalverbände sowie Leistungsträger brachte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit viele Erkenntnisse über den jeweils anderen Markt, beispielsweise wie  Gäste unterschiedlich angesprochen werden müssen. Und erstmals auch das Verständnis dafür, warum Dinge im Nachbarland anders oder besser laufen als im eigenen Land.
Das Beispiel zeigt: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit lohnt sich, kostet aber personelle Ressourcen, den Einsatz von Mitteln und damit immer eine zusätzliche Finanzierung von Ausgaben und Maßnahmen, die „on the top“ sind.

Wertvolle Anschubfinanzierung

Dafür bedarf es einer INTERREG-Förderung, die dann manchmal von einer ersten Anschubfinanzierung in eine fortwährende Weiterentwicklung und -finanzierung von Projekten weiterläuft. Damit tun sich aber zunehmend die nationalen Partner im INTERREG-Programm schwer, da INTERREG ja eigentlich eine Anschubfinanzierung für Maßnahmen beinhaltet, die nach Ende der Förderperiode selbstständig und ohne weitere Bezuschussung weiterlaufe sollte. Soweit die Theorie. In der Praxis läuft es aber häufig ganz anders – und worauf es da ankommt und was es zu beachten gibt, damit Projektförderung möglichst nachhaltig ist – dazu mehr in meinem nächsten Blogbeitrag.

 

Über den Autor

Alexander Jaegers, 47 Jahre, ist Geschäftsführer des in Ahaus ansässigen Büros projaegt gmbh und Leiter des Regionalmanagements für die LEADER-Regionen „Baumberge“ und „Bocholter Aa“. Er gründete das Unternehmen Anfang 2016 und war zuvor 18 Jahre lang bei der EUREGIO in Gronau tätig. Wesentliche Geschäftsfelder sind die finanztechnische und administrative Abwicklung von Förderprogrammen und -projekten, so zum Beispiel auch als Partner in INTERREG-Projekten.

 

 

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