Lösungskonzepte für das Aufladen von Elektrofahrzeugen gewinnen zunehmend an Bedeutung. In den Niederlanden sind Ladesäulen für E-Fahrzeuge allgegenwärtig. Im europäischen Vergleich nehmen die Niederlande bezogen auf die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge den zweiten Platz hinter Norwegen ein. Auch auf dem Gebiet der Herstellung, der Installation, den dazugehörigen Dienstleistungen und bei der Innovation sind die Niederlande führend, berichtet Wilhelm Wilming von Energiezukunft. Energiezukunft ist ein Portal rund um das Thema Erneuerbarer Energien.

Die Niederlande verfüge über die zweitdichteste Ladeinfrastruktur Europas, so Germany Trade & Invest (GTAI). Laut GTAI-Recherchen bei der Internationalen Energie Agentur (IEA) gebe es in den Niederlanden 32.976 registrierte Säulen, dies seien 15.382 öffentliche und 17.594 halböffentliche. Hinzu kommen geschätzte 55.000 private Stationen. Nach Angaben der IEA befinden sich rund 12 Prozent aller öffentlichen Ladesäulen weltweit in den Niederlanden.

Situation in Deutschland

In Deutschland herrscht eine andere Situation: „Deutschland ist bei Ladestationen für Elektroautos ein Entwicklungsland!“, berichtet das Handelsblatt in seiner Ausgabe vom 14. Juni 2018 dieses Jahres. So seien nur vereinzelt Ladestationen installiert, die überwiegend aus Imagegründen aufgestellt würden. Die Investitionsbereitschaft für Ladestationen sei in Deutschland sehr gering.

Führungsposition

Die Vorreiterrolle der Niederlande kommt nicht von ungefähr. Ursprünglich wurde der Ausbau der öffentlichen Ladestationen durch Starthilfen seitens der niederländischen Regierung gefördert. Bis zum Jahr 2018 wurden 7,2 Millionen Euro bereitgestellt. Des Weiteren wurde eine Plattform errichtet „Nationaal Kennisplatform voor Laadinfrstructuur (NKL)“, die Lösungen zum Aufladen von Elektroautos anregen soll und den Austausch zwischen den einzelnen Akteuren stimulieren soll. Das gemeinsame Ziel sei es eine bezahlbare öffentliche Ladeinfrastruktur zu errichten. Zudem basiert die Vorreiterrolle der Niederländer auf innovative Unternehmen die nicht nur im eigenen Land, sondern auch europa- und weltweit aktiv und zu Marktführern herangewachsen sind. Beispielsweise habe das Unternehmen NewMotion als Partner für Elektromobilität sein öffentliches Ladenetz auf 50.000 Ladesäulen erweitert, davon 2.700 neue Säulen in Frankreich. Die Firma EVBox aus Amsterdam, Hersteller von Ladesäulen und Anbieter von Lade-Management-Software, habe laut GTAI in etwa 980 Städten 48.000 Ladesäulen installiert. EVBox forscht nach Ladetechnologien, die Lade- und Entladevorgänge auf das schwankende Angebot von Stromnetzen, die von Erneuerbaren Energien gespeist werden abgestimmt werden können.

Ein Projekt in der niederländischen Stadt Den Helder zwischen Gemeinde und NKL-Wissensplattform soll auf das Bedürfnis von öffentlichen Ladesäulen eingehen, da oft kein Standort im privaten oder gewerblichen Bereich vorhanden ist. Es sollen Stationen geschaffen werden, die dem Kunden die Wahl zwischen den Anbietern überlasse.