Mit Schmuckstücken um die Welt und durch die Jahrhunderte reisen: Zeugnisse vergangener Tage sowie Entwürfe tonangebender Designer von heute sind ab Samstag, 13. Oktober, im Afrika Museum im niederländischen Berg en Dal zu sehen. Die größte Schmuckausstellung der Niederlande umfasst fast 1.000 Exponate aus der Museumssammlung sowie die Werke heutiger Designer. Diese sind für die Besucher nicht nur schön anzusehen, sondern erzählen darüber hinaus Geschichten. Die Geschichten der Erzeuger, der Fertigungstechniken sowie der Personen, die sie (einst) getragen haben, geben einen besonderen Einblick in die Nutzung von Schmuckstücken weltweit. Entsprechend wurde auch der Titel gewählt: „Schmuckstücke – Schöpfer & Träger“.

Es gebe keinen Ort auf der Welt, an dem Menschen nicht das Bedürfnis haben, sich zu schmücken: „Auch ist dieses Bedürfnis so alt wie die Menschheit selbst“, erklärt Stijn Schoonderwoerd, Geschäftsführer des Afrika Museums. „Und da es bei uns in Berg en Dal um Menschen geht, passt diese Ausstellung sehr gut ins Konzept.“ Bis Anfang Juni waren die Schmuckstücke und ihre Geschichten im Museum Volkenkunde in Leiden zu sehen. Dieses gehört, wie das Afrika Museum und das Tropenmuseum, zum Zusammenschluss der Museen der Weltkulturen. Jetzt präsentiert das Afrika Museum die beeindruckende Ausstellung keine zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt im idyllischen Städtchen Berg en Dal.

Schöpfer und Techniken

Beinahe ebenso vielfältig wie die verschiedenen Schmuckstücke sind die verwendeten Materialien: von Muscheln, Früchten und Steinen bis hin zu Glas, Gold, Silber und natürlich Edelsteinen wie Diamanten, Saphiren und Rubinen. Auch haben viele Schmuckstücke eine Bedeutung; sei es eine persönliche Bedeutung für den Träger oder kultureller Art. Bei Eheringen beispielsweise ist beides der Fall. Kulturell betrachtet stehen sie für Treue, Liebe und Beständigkeit und ihre in sich geschlossene Form symbolisiert Unendlichkeit. Doch haben sie auch eine persönliche Bedeutung für die beiden Menschen, die sich die Ringe gegenseitig angesteckt haben. Die Ausstellung im Afrika Museum widmet sich neben der Bedeutung den Menschen und Techniken, die bei der Herstellung dieser Schmuckstücke mitgewirkt haben.

Denn die jahrhundertealten Techniken der Schmuckherstellung gewähren Einblicke in Kultur, Geschichte und Identität. „Grundlage hierfür bilden die schönsten Schmuckstücke, die wir in den Sammlungen unserer drei Museen finden konnten: Ausgefeilter goldener Schmuck aus Asien und Südamerika, Schmuckstücke aus den verschiedensten Naturmaterialien aus Ozeanien, Silberschmuck aus Nordamerika und dem Mittleren Osten sowie Korallenarbeiten aus Afrika erzählen uns ihre Geschichten“, erklärt Schoonderwoerd.

Altes und Neues

Die Museen der Weltkulturen haben aus dem eigenen Fundus eine Kollektion zusammengestellt, die auf viele Jahrhunderte zurückblicken lässt. Doch die Ausstellung zeigt auch Arbeiten heutiger Designer aus aller Welt. Ihre Werke zeigen die Wertschätzung traditioneller Techniken, Motive und Materialien. Diese werden entweder neu verwendet oder mit modernen Bearbeitungstechniken kombiniert. Das Ergebnis sind spannende und eindrucksvolle Arbeiten wie beispielsweise die Ringe von Johanna Dahm. Die Designerin, halb Schweizerin, halb Holländerin und in Kapstadt aufgewachsen, wendet eine Gusstechnik an, die sie von einem Goldschmiedemeister der Ashanti gelernt hat.

Eigene Fertigkeiten erproben

Wie es um die eigenen Schmuckdesigner-Fähigkeiten bestellt ist, können Besucher auch gleich ausprobieren. Schmuckdesignerin Cat Priem, deren Arbeiten fantasiereich, verspielt und manchmal ein wenig düster sind, hat einen Arbeitsplatz entwickelt, der es jedem ermöglicht, sich selbst in der Schmuckherstellung zu probieren. Mit Goldschmiedewerkzeugen wie Walze, Stempeln und Anke können die Techniken aus der Ausstellung sofort angewendet werden. Die Materialkosten betragen zwei Euro.

Einen Tag nach der Ausstellungseröffnung dreht sich beim Sonntagsspecial am 14. Oktober alles um das Thema Schmuck. Und auch hier können die Besucher selbst aktiv werden. Neben dem Schmuckarbeitsplatz – Cat Priem ist an diesem Tag persönlich anwesend und gibt Tipps für die Schmuckherstellung –, steht auch Recycling auf dem Programm. Beim Perpetual Plastic Project entsteht mit Hilfe von Hecksel-, Schmelz- und 3D-Technik ein neuer Ring. Für all jene, die einem geliebten Menschen eine Botschaft zukommen lassen möchten, aber nicht die richtigen Worte finden, bietet der Workshop „Liebesbriefe aus Perlen“ eine Lösung. Bei den Zulu in Südafrika nutzen Mädchen dies Technik mit den verschiedenfarbigen Perlen, um dem Jungen, auf den sie ein Auge geworfen haben, ihre Liebesbotschaft zu vermitteln.

Allgemeine Informationen

Die Ausstellung „Schmuckstücke – Schöpfer & Träger“ ist bis zum 2. Juni 2019 im Afrika Museum zu sehen. Dieses ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet 14 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre und Studenten 6 Euro. Die Ausstellung ist für Kinder ab zwölf Jahren geeignet. Weitere Informationen zum Museum unter www.afrikamuseum.nl/de.

X