Die Einführung einer „Zuckersteuer“ ist zurzeit in aller Munde, sie macht ungesunde Produkte teurer, animiert Hersteller zur Rezepturänderung und soll den Konsum senken, wie es in Ländern wie Großbritannien bereits erfolgreich geschieht. In den Niederlanden soll eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke und Lebensmittel bis 2030 in Kraft treten. Ein früherer Termin indes wäre, wie aktuelle Ergebnisse einer Studie zum Zuckerkonsum von Jugendlichen zeigen, dringend geboten. Denn niederländische Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren trinken durchschnittlich 9,5 Gläser zuckerhaltige Erfrischungsgetränke pro Woche. Die Hälfte trinkt sogar 16,5 Gläser pro Woche, was umgerechnet etwa 90 Zuckerwürfeln entspricht. Das haben Forscher der Universität Amsterdam festgestellt, wie die NOS berichtet.
Übergewichtig und Diabetes-gefährdet
Die Wissenschaftler bezeichnen diese Menge als besorgniserregend und plädieren daher für eine „Zuckersteuer“. „Ich war erstaunt über die Ergebnisse unserer Studie“, sagt etwa der Gesundheitswissenschaftler Rian Pepping. „Je mehr Zucker jemand zu sich nimmt, desto größer ist das Risiko, an Übergewicht und Diabetes Typ 2 zu erkranken.“ Derzeit sei jedes siebte Kind in den Niederlanden übergewichtig. Jugendliche, die 90 Zuckerwürfel pro Woche zu sich nehmen, konsumieren allein durch Erfrischungsgetränke mehr Zucker, als laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gut für sie ist. Die WHO empfiehlt, weniger als 50 Gramm sogenannten „freien Zucker““ pro Tag aufzunehmen. „Freier Zucker“ umfasst alle Zuckerarten, die Lebensmitteln vom Hersteller oder Verbraucher zugesetzt werden sowie den natürlich in Honig, Sirupen und Fruchtsäften vorkommenden Zucker.
Anreiz zu gesünderen Entscheidungen
Unter dem Begriff Erfrischungsgetränk fallen in der Studie nicht nur normale Erfrischungsgetränke, sondern auch Fruchtsäfte, Limonaden, Eistee, Sportgetränke und Energy-Drinks. „Eigentlich alle zuckerhaltigen Getränke, die keinen oder nur einen geringen Nährwert haben“, sagt Pepping. Die neue Regierung plant die Einführung einer Zuckersteuer bis 2030, doch die Forscher drängen die Koalition, bereits jetzt zusätzliche Steuern auf zuckerhaltige Getränke zu erheben. Sie fordern, dass der Zuckergehalt des Getränks die Steuerhöhe bestimmt: Je mehr Zucker, desto höher die Steuer. Eine solche Steuer hätte einen doppelten Nutzen: Hersteller würden einen Anreiz erhalten, ihren Produkten weniger Zucker zuzusetzen, und Verbraucher würden zu gesünderen Entscheidungen angeregt.
