Klimawandel wird die Grenzregion stark verändern

Klimawandel wird die Grenzregion stark verändern

Ende September 2022 war Dr. Professor Vincent Pijnenburg von der Fontys International Business School in Venlo in den USA zu Gast. Er nahm dort an einem Workshop teil, der von der Universität von Pennsylvania organisiert wurde. Thema: Der Klimawandel, seine Auswirkungen auf die niederländisch-deutsche Grenzregion und der Umgang damit.

Der Workshop mit dem Titel „Imagine a Just and Climate Resilient Transboundary Region: An Experiment in the Politics of Humility and Radical Generosity’’ ist Teil einer umfangreichen Zusammenarbeit zwischen dem McHarg Center der University of Pennsylvania und dem Kennisprogramma Versnelde Zeespiegelstijging (Wissenschaftliches Programm Beschleunigter Meeresspiegelanstieg) des Nationaal Deltaprogramma der Niederlande. Das niederländische Programm konzentriert sich auf „Anpassung” und „kontrollierten Rückzug” als Anpassungspfade an den Klimawandel. Dieser Ansatz geht von einer massiven Klimamigration von der Randstad in höhere Lagen aus, die unter anderem auf den Anstieg des Meeresspiegels zurückzuführen ist. Eine Wanderungsbewegung mit erheblichen Auswirkungen auf die deutsch-niederländischen Grenzregionen.

Eine „Neue Randstad“ im Osten?

Während des Workshops in Philadelphia fokussierten sich die anwesenden Experten aus unterschiedlichen Bereichen auf die möglichen Folgen der Klimamigration für das deutsch-niederländische Grenzgebiet. Wichtiger Input für den Workshop war eine im Juni 2022 veröffentlichte Publikation des College van Rijksadviseurs (CRa). Darin wird auf der Grundlage des Anpassungspfads bereits eine Zukunftsvision für die Niederlande im Jahr 2100 formuliert: Unabhängig davon, ob die Bezeichnung dafür korrekt ist, ist das Szenario bemerkenswert. So könnte in Form zweier urbaner Halbmonde mit Städten wie Eindhoven, Maastricht, Köln und Duisburg, die größtenteils im Einzugsgebiet des Rheins liegen, eine „neue Randstad“ entstehen.

Der Herausforderung gemeinsam begegnen

Der Workshop unterstrich laut Pijnenburg unter anderem, dass eine derartige Klimamigration immense Folgen für die Grenzregion entfalten würde. Wichtige Erkenntnis: Bevor es überhaupt so weit kommt, muss die Dringlichkeit möglicher Auswirkungen des Klimawandels auf die zu erheblichen Teilen unter dem Meeresspiegel liegenden Niederlande stärker verinnerlicht und intensiver diskutiert werden. Für das Grenzland könne dies aus sozioökonomischer Sicht eine große Chance sein. Jedoch würden einige Auswirkungen des Klimawandels auch viele Herausforderungen mit sich bringen: Nicht nur kulturelle Unterschiede (sogar innerhalb der Niederlande) müsste angemessen begegnet werden. Es ergeben sich viele neue, sehr konkrete Fragen: Wie kann man beispielsweise mit der steigenden Nachfrage nach Wohnraum, Arbeitsplätzen und Infrastruktur umgehen? Fazit: Die gemeinsame grenzübergreifende räumlich-regionale Planung wird an Dringlichkeit zunehmen. Das ist gegenwärtig keineswegs selbstverständlich. In den nächsten Jahren werde sich zeigen, inwieweit die nationalen Regierungen diesen Weg des Entgegenkommens tatsächlich gehen werden.

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