Wer in der Nähe der niederländischen Grenze wohnt und auf Jobsuche ist, richtet seinen Blick zunächst gen Osten. Für viele ein logischer Schritt, liegen im Westen doch die Niederlande, dessen Arbeitsmarkt für viele unbekanntes Terrain ist. Doch sich mit einem Arbeitsplatz im Nachbarland auseinanderzusetzen, kann sich lohnen – in vielerlei Hinsicht. Davon konnten sich jetzt die Fallmanager der kommunalen Jobcenter im Kreis Kleve im Rahmen des Workshops „Grenzüberschreitende(s) Arbeit(en)“ überzeugen. Als gemeinsames Projekt des GrenzInfoPunkts Rhein-Waal, des Theodor-Brauer-Hauses Kleve sowie des Jobcenters Kreis Kleve ermöglichte die Veranstaltung einen breiten Austausch und schaffte Raum zur Bildung eines gemeinsamen Netzwerks.

Zu Beginn stellte EURES-Beraterin Carola Schroer den GrenzInfoPunkt Rhein-Waal vor. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle für Grenzpendler beantworten alle Fragen zum Arbeiten in den Niederlanden. „Von Rentenaufbau und Hinterbliebenenrente über Kindergeld und Krankenversicherung bis hin zu Arbeitslosigkeit und Steuerpflicht können wir bei allen Themen weiterhelfen“, erklärt Carola Schroer. Einmal monatlich veranstaltet der GrenzInfoPunkt Rhein-Waal eine Grenzgängersprechstunde, bei denen deutsche und niederländische Experten der Arbeitsagenturen, Gewerkschaften, Sozialversicherungen und Finanzverwaltungen in Einzelgesprächen Rede und Antwort stehen. Die nächste Sprechstunde findet am Dienstag, 24. September, von 9 bis 12.30 Uhr im Forum der Euregio Rhein-Waal in Kleve statt. Zudem bietet der GrenzInfoPunkt eine individuelle Beratung nach Terminvereinbarung (02821- 793079) an.

Experten des grenzüberschreitenden Arbeits (v.l.): Michael Stock (UWV), Carola Schroer (GrenzInfoPunkt Rhein-Waal), Sophie Niebergall (Bundesagentur für Arbeit)

Die Fähigkeiten des Bewerbers zählen

Dass es für deutsche Arbeitssuchende viele Möglichkeiten in den Niederlanden gibt, unterstrich Michael Stock vom niederländischen Sozialversicherungsträger UWV: „Direkt hinter der Grenze werden beispielsweise viele Produktionsmitarbeiter, Gabelstapler- und LKW-Fahrer, Bauarbeiter und Elektromonteure gesucht.“ Gleichzeitig böte das Nachbarland aber noch einen weiteren Vorteil: „Oftmals schauen die Unternehmen nicht so sehr auf Zeugnisse und geben auch ungelernten Kräften Chancen. Das Engagement und die Fähigkeiten des Bewerbers sind ein wichtigeres Einstellungskriterium als in Deutschland.“

Den Blick ins Nachbarland richtet seit vielen Jahren auch das Theodor-Brauer-Haus aus Kleve. Mit dem Projekt „Perspektive 360°“, deren Lead-Partner die Einrichtung ist, möchte sie arbeitssuchende Menschen ansprechen, die sich auf dem Arbeitsmarkt neu orientieren möchten. Auch das Jobcenter Kreis Kleve ist hier als Projektpartner eingebunden. „Wir haben in der Region einen gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum mit den Niederlanden. Diesen nicht auch für die Arbeitssuche zu nutzen, ist eine vertane Chance“, ist sich Klaus Verburg vom Theodor-Brauer-Haus sicher. Das Projekt sieht ein zwölfwöchiges Trainingsprogramm für deutsche und niederländische Arbeitssuchende vor, in dem sie viel über das jeweilige Nachbarland erfahren – beispielsweise zu den Themen Sprache und Kultur, Politik und Gesellschaft, Arbeitsmarkt und Bewerbung sowie der Medienlandschaft. Zudem absolvieren sie ein Praktikum und lernen Unternehmen im Rahmen von grenzüberschreitenden Betriebsbesichtigungen kennen.

Vorteile und Herausforderungen

Im praktischen Teil des Workshops diskutierten die Fallmanager der kommunalen Jobcenter im Kreis Kleve gemeinsam mit den Experten über Faktoren, die die grenzüberschreitende Arbeit begünstigen und behindern. Als Vorteil des niederländischen Arbeitsmarkts wurden etwa die geographische Lage und gute Verdienstmöglichkeiten genannt. Herausforderungen seien hingegen u.a. die Sprache und Unterschiede bei den Steuersystemen, aber auch die verschiedenen Managementsysteme der Arbeitsagenturen beider Länder. Die Mitarbeiter der Jobcenter wünschen sich für die Zukunft eine bessere Zusammenarbeit und regelmäßige Treffen mit den niederländischen Kollegen.

Hilfe vom Jobroboter

Potenzielle Grenzpendler, die auf der Suche nach einem Job in den Niederlanden sind, können einen Blick auf den Jobroboter www.euregio-jobroboter.de werfen. Diese Website gibt einen Überblick über die wichtigsten niederländischen Stellenseiten und verfügt über ein praktisches Übersetzungstool für Berufsbezeichnungen. Darüber hinaus sind allgemeine Informationen über Arbeitssuche und Kultur am Arbeitsplatz im Nachbarland zu finden.

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