In der deutsch-niederländischen Grenzregion ist es beinahe festes Programm: Sprengungen von Geldautomaten. Diese Art der grenzüberschreitenden Kriminalität wird häufig von Menschen aus den Niederlanden ausgeübt. Mit gestohlenen Audis kommen Sie nach Deutschland, sprengen Geldautomaten, schnappen sich die Beute und rasen zurück in die Niederlande. Daher auch der Name ‚Audi-Bande‘. Um der Polizei nicht ins Netz zu gehen, führen sie rasante und lebensgefährliche Fluchtpläne aus. Sicher nicht ohne Risiko.In ihrem Blog erklären Björn Bos von Thinking Marketing und Monika Raulf von Duitslink, was Unternehmer von der Audi-Bande lernen können.

Eltener Butternacht

Grenzüberschreitende Kriminalität ist nichts Neues und besteht so lange wie es Grenzen gibt. Denken Sie z.B. an das Schmuggeln von Kaffee, Butter und Zigaretten bis in die 1970‘er Jahre hinein.

Eine ganz besondere Geschichte ist die der Eltener Butternacht, in der deutsche und niederländische In- und Exportunternehmen ganz pragmatisch eine Grenzkorrektur zu ihrem Vorteil nutzten. Das bis dahin niederländische Dorf Elten sollte ab dem 1. August 1963 wieder zu Deutschland gehören. Am letzten Juli-Wochenende wurde Elten durch mit Kaffee und Butter vollgeladenen LKWs zugeparkt: Am Morgen des 1. Augusts standen alle LKWs plötzlich samt Ladung auf deutschem Grundgebiet, wodurch niemand Einfuhrzoll zahlen musste. Mit dieser schlauen Schmuggelaktion verdienten sie geschätzte 50 bis 60 Millionen Gulden. Heute anno 2017 wären das umgerechnet etwa 135 bis 164 Millionen Euro.

Natürlich ist es nicht die Absicht dieses Beitrages, Sie als Unternehmer und Unternehmerin zu kriminellen Handlungen zu motivieren.
Die Audi-Bande als Metapher betrachtet: Was können Sie für Ihr Unternehmen von grenzüberschreitender Kriminalität lernen?

Audi-Bande

De Audi-Bande ist bereits mehr als 10 Jahre von den Niederlanden aus in Deutschland aktiv.

In den letzten 3 Jahren hat sich die Anzahl der Geldautomatensprengungen verdreifacht. Als Metapher für grenzüberschreitendes Unternehmen betrachtet, können wir behaupten, dass die Bande sehr erfolgreich ist. Schauen wir uns genauer an, wie sie so erfolgreich werden konnte und was wir hieraus für grenzüberschreitende Unternehmerschaft lernen können.

Wie sind sie so erfolgreich geworden, konnten sogar expandieren? Was macht die Audi-Bande so erfolgreich während Nachmacher kläglich versagten?

Der erste Schritt ist der Gedanke, die Idee! Gefolgt von der Zielsetzung: Geldautomaten aufbrechen und Geld erbeuten. Wie SMART ihre Zielsetzung war, bleibt ihr Geheimnis.

Gute Vorbereitung

Ebenso wie die Gruppe deutscher und niederländischer In- und Exporteure seinerzeit in Elten, erkannte die Audi-Bande Chancen und ging sehr professionell und strukturiert vor. Die Bande untersuchte genau den Markt und basierte hierauf ihre Strategie, um diese Chancen in bares Geld umzusetzen.

Marktuntersuchung

Wo bieten sich die besten Möglichkeiten?

Ein niederländischer Geldautomat wäre natürlich näher und schneller erreichbar und dennoch haben sie sich für Deutschland entschieden. Warum? Durch ihre Untersuchungen und Erfahrungen wussten sie, dass Geldautomaten in Deutschland schlechter gesichert sind als die in den Niederlanden. Das sorgt dafür, dass die Chancen für ihr Geschäft auf dem deutschen Markt erfolgsversprechender sind.

Der deutsche Markt ist sehr groß, daher wird auf die Gebiete fokussiert, in denen die Erfolgsaussichten die besten Chancen und Möglichkeiten verspricht. Gut erreichbar, recht nah an der Grenze, um schnell zurück in die Niederlande gelangen zu können. Sie haben die Umgebung genau untersucht, um nicht mit unvorhergesehene Überraschungen konfrontiert zu werden, was ein Risiko darstellen könnte. Sie wussten daher genau, wo sie sein müssen und auch wieder weg können.

So präferiert die Bande Orte auf dem Lande mit direkter Nähe zu einer Autobahnauffahrt  und dichtem Wegenetz.

Strategie

Wer und was ist erforderlich um die Chancen zu versilbern?

Sie haben die Menschen gewählt, die zu der eigenen Vision und Mission passen. Ebenso wichtig ist es, genügend Mitarbeiter zu wählen, so dass ‚Ausfallzeiten‘ abgedeckt sind. Vor Ort selbst hatten sie passendes, funktionierendes Werkzeug und Material,  so dass einem geübten Arbeitsablauf nichts im Wege steht und bald Routine ohne Zwischenfälle entstehen kann.

Der Transport muss vor allem schnell sein, die Wahl fiel darum auch auf ein sportliches Auto, wie z.B. Audi. So gelangen wir wie von selbst zum nächsten Thema:

Markteintritt

Startzeitpunkt und Projekt-Phase

Die gut ausgebildeten Mitarbeiter mit dem passenden Arbeitsmaterial sorgen für effektive Arbeitsabläufe, so dass Operation ‚Peng!‘ maximal 3 Minuten dauerte. Höchstens eine weitere Minute wurde für das Einpacken der Beute berechnet.

Die Durchführung findet im Dunkeln statt, ein Zeitpunkt mit wenig Straßenverkehr. Die Nähe zur Autobahn sorgt dafür, dass das Team schnell zum Standort in die Niederlande verschwinden kann. Diese Voraussetzungen unterstützen den Kontakt mit der Polizei zu vermeiden. Als dies doch einmal der Fall war, hat die Bande die Strategie flexibel angepasst: Anstatt zu flüchten, haben fanden sie Unterschlupf im nahen Dorf um am folgende Tag im Schutz der Masse des Berufsverkehrs unterzugehen und so zum Hauptquartier zu gelangen.

Sprache und Kultur

Die Bande hatte keinen guten Kontakt zur lokalen Bevölkerung, unterstellen wir hier mit einen Augenzwinkern. Wahrscheinlich sprachen sie kaum Deutsch und waren nicht mit den üblichen Umgangsformen bekannt.

Einem aufmerksamen Bewohner fand das ‚ungewöhnliche‘ Verhalten verdächtig und meldete es der Polizei. Die Polizei nahm den Tipp sehr ernst und entdeckte dadurch den örtlichen Standort mit eindeutiger Ausstattung.

Schlussfolgerung

Was können Unternehmen von grenzüberschreitender Kriminalität nun eigentlich lernen?

In jedem Fall, dass gute Vorbereitung die halbe Miete ist! Begeben Sie sich nicht auf gut Glück und ins Blaue hinein auf den anderen Markt sonst ergeht es Ihnen wie den Nachmachern der Audi-Bande. Die scheiterten schnell. Begeben Sie sich mit Marktkenntnis und einer guten Strategie auf die andere Seite der Grenze. Ebenso gehen wir davon aus, dass gute Kenntnisse der anderen Sprache und Kultur wertvoll ist und zum Erfolg beiträgt.

 

Über die Autoren

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Bjorn Bos (1977) ist Geschäftsführer von Thinking Marketing und verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Online- und Offline-Marketingkommunikation mit Spezialisierung auf Niederlande-Deutschland-Marketing. Er berät sowohl niederländische als auch deutsche KMU, wenn es um Marktforschung, Strategie und Positionierung im jeweiligen Nachbarland geht. 

 

 

Monika Raulf ist Inhaberin von Duitslink, der Link nach Deutschland und von Deutschland in die Niederlande. Duitslink trägt auf verbindende und partnerschaftliche Art und Weise am deutsch-niederländischem Handelsverkehr bei und hat Sprache, Kommunikation und Kultur dabei fest im Blick!