„Der Brand war in Holland, das Wasser kam aus Deutschland“

„Der Brand war in Holland, das Wasser kam aus Deutschland“

„Der Brand war in Holland, das Wasser kam aus Deutschland.“ Das sagte Jos Hessels, Bürgermeister aus dem niederländischen Echt-Susteren. Was zunächst kurios klingt, ist ein praktisches Beispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit zwischen deutschen und niederländischen Feuerwehren. Darum ging es beim dritten Symposium in Bocholt, das in der Westfälischen Hochschule vor rund 140 Teilnehmern stattfand.

Bürgermeister Peter Nebelo thematisierte in seiner Begrüßung die gegenwärtige deutsch-niederländische Zusammenarbeit. Gerade die langjährige Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr Bocholt und der Brandweer Dinxperlo (Niederlande) habe einen sehr hohen Stellenwert.

Kennenlernen, verstehen und voneinander lernen
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit habe mehrere positive Effekte: „Die Feuerwehrleute lernen sich gegenseitig kennen, es kommt zu vielfältigen persönlichen Kontakten“, betonte Nebelo. „Die Bewohner diesseits und jenseits der Grenze fühlen sich sicher.“ Denn für sie sei es wichtig zu wissen, dass die Feuerwehr komme, die am schnellsten da ist – nicht die, die örtlich zuständig sei. Auch der Austausch untereinander, und das sei beim Symposium wichtig, helfe, die Feuerwehren zukunftsfähig aufzubauen. „Für alle gibt es ähnliche Probleme, sei es die Nachwuchskräftesicherung oder der Umgang mit neuen technischen Innovationen“, merkte Nebelo an.

Zusammenarbeit von hohem Nutzen
Jos Hessels, Helmut Probst, Inspekteur für Bevölkerungs- und Feuerschutz aus dem Innenministerium von Nordrhein-Westfalen, sowie Stephan Wevers, Vorsitzender des niederländischen Feuerwehrverbandes, bekräftigten den hohen Nutzen, den die Zusammenarbeit beiden Seiten bringen würde. So hätten im Bereich Echt-Sustern im vergangenen Jahr deutsche Feuerwehrleute 17 Mal bei Notfällen auf der niederländischen Seite ausgeholfen, berichtete Hessels.

Kommunikation ein Hemmnis
„Die Kommunikation der Feuerwehr auf deutscher Seite und der Brandweer auf niederländischer Seite kann schon mal zu Hemmnissen führen, wenn die eine Seite die andere Seite nicht richtig versteht“, wies Probst auf mögliche Hemmnisse in der Zusammenarbeit hin. „Der Empfänger der Botschaft bestimmt den Inhalt.“

Mit dem Thema Kommunikation beschäftigte sich die Moderatorin des Tages, Dr. Ute Schürings aus Berlin, die zweisprachig die Unterschiede zwischen den Niederländern und den Deutschen erklärte. So sei ein „Ja“ eines Deutschen nicht mit dem „Ja“ eines Niederländers zu vergleichen.  „Wichtig ist“, betonte Schüring, „dass Sie authentisch bleiben, sich gegenseitig im Gespräch Brücken bauen, sich selbst erklären und nachfragen.“ Dann gebe es auch in der grenzüberschreitenden Kommunikation weniger Probleme.

Darf die Drohne rüber?
Nebelo hatte in seinem Grußwort schon das Thema Drohnen angesprochen. Im Rahmen des Symposiums diskutierten die Feuerwehrmänner und -frauen aus Deutschland, Holland und erstmalig  auch aus Belgien den Einsatz mit fliegenden Kameras und Wärmebildkameras. Innerhalb der jeweiligen Länder haben die Feuerwehren entsprechende Genehmigungen durch die zuständigen Genehmigungsbehörden eingeholt. Noch nicht geregelt ist der Einsatz der Drohnen im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Hier wird es in Zukunft noch weiteren Regelungsbedarf geben.

Menschen für freiwillige Feuerwehr begeistern
Um die Handlungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr nachhaltig zu stärken, wurde das Gemeinschaftsprojekt „Feuerwehrensache“ ins Leben gerufen. Dabei geht es vor allem darum, das Ehrenamt in der Freiwilligen Feuerwehr zu stärken und mehr Menschen für die Freiwillige Feuerwehr zu begeistern. In verschiedenen Workshops und Arbeitsgruppen wurden bisher konkrete Ideen für Pilotprojekte zur Stärkung des Ehrenamtes erarbeitet. Die „Vereinbarkeit des Ehrenamtes mit Familie und Beruf“, die „Wertschätzung von Politik und Gesellschaft“ sowie die „Modernisierung und Modularisierung der Ausbildung“ sind nur einige Themen. Praktisch stellte die Feuerwehr Ratingen das „Cobra Schneidlöschsystem“ vor Ort vor. Damit können millimeterkleine Löcher in Wände geschnitten und der sich dahinter befindliche Brandherd gelöscht werden.

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