Ein Blog von Katja Schleicher.

Missstimmungen, Irrdeutungen und Verwirrungen in den deutsch-niederländischen Geschäftsbeziehungen basieren oft auf unterschiedlichen Herangehensweisen an Projekte.

Grob skizziert – und mit einem Augenzwinkern versehen – sieht es in der sicherheitsfokussierten deutschen Geschäftskultur in Sachen Entscheidungsfindung so aus:

  1. Eine Theorie haben.
  2. Ziel formulieren.
  3. Recherchieren.
  4. 1:1 Expertenmeinungen einholen.
  5. Im kleinen Gremium vorstellen.
  6. Ein bisschen diskutieren. Ein bisschen.
  7. Nachrechnen. Weitere Experten überprüfen lassen.
  8. Mögliche Fehler antizipieren.
  9. Dann Entscheidung treffen.
  10. Entscheidung als unumstößlich kommunizieren.
  11. Rückfragen unwirsch abbügeln.
  12. Durchführungsmaschinerie anschmeißen.
  13. Nicht mehr umdrehen, bis das Ziel erreicht ist.

Der niederländischen, stärker freiheitsorientierten Geschäftskultur folgend sieht der Prozess so aus:

  1. Eine Idee haben.
  2. Alle zum ausführlichen Meeting einladen. ALLE:
  3. Jeden seine Meinung sagen lassen. JEDEN.
  4. Keine Entscheidung treffen (viel zu früh!!).
  5. Allen ein gutes Gefühl geben.
  6. Sich nach ca. zehn Tagen wiedertreffen. Mit allen.
  7. Gucken, was sich in der Zwischenzeit geändert hat. Bei sich selbst, in der Welt und an der Idee.
  8. Gute Absicht wiederholen.
  9. Ein mögliches Ziel formulieren.
  10. Dann in vielen langen unregelmäßigen Bewegungen, Befragungen, Austausch und Abwägung mehrere Optionen favorisieren.
  11. Nochmal meeten.
  12. Eine Entscheidung treffen.
  13. Die getroffene Entscheidung inoffiziell nachbesprechen (Kaffee oder Bier inkl.).
  14. Dann Entscheidung verkünden. Mit der Bitte um weiteren Input.

So sieht Katja Schleicher den deutschen und den niederländischen Weg zum Ziel. Zum Vergrößern klicken.

Wie sich am Ende Zusammenarbeit erfolgreich gestalten lässt:

Besonders in niederländisch-deutschen Projekten macht es Sinn, sich zu Beginn eines Projektes mit der niederländischen Perspektive anzufreunden. Je stärker ein Projekt in die Endphase gelangt, lohnt es sich ganz im deutschen Sinne „die Räume enger zu machen“, um schlussendlich auch ans Ziel zu kommen.

Erwartungen managen – festlegen, worauf es eigentlich ankommt (nein, es geht nicht immer nur ums Budget oder die Zeit).

Vorab die eigene Perspektive bestimmen und sich ihr bewusst werden – um sie dann für den Projekterfolg wechseln zu können.

Prozess und Resultat als gleichwertig ansehen und kommunizieren, um beide Seiten zu integrieren.

Erfolgreiche interkulturelle Arbeit braucht beides: den Tanz zum Erfolg und Kampf um den Sieg.

 

Ohne Missstimmungen, Irrdeutungen und Verwirrungen:

Katja Schleicher live auf dem Duitslanddag: 17. April 2018, Utrecht

 

IMG_4031Die Autorin

Die Autorin genießt die alltäglichen Dinge in beiden Sprachen. Das leicht liebevoll verquatschte Niederländisch, und das glatt sortierte,  rhythmische Deutsch. Zu ihren interkulturellen Kommunikationstrainings geht es hier: www.interview-training.eu

 

 

 

 

 

 

 

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