Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Türkei scheinen Folgen zu zeigen: Im Jahr 2018 sollen rund 100 Ingenieure aus der Rüstungs- und Luftfahrtindustrie dem Lande den Rücken gekehrt haben und in die Niederlande ausgewandert sein. Betroffen sein vor allem der türkische Rüstungskonzern Aselsan. Die Ingenieure seien gezielt abgeworben worden, bevorzugtes Ziel: Das niederländische Unternehmen ASML, der weltweit größte Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Das berichtet das Portal Deutsche Wirtschaftsnachrichten (DWN) unter Berufung auf einen Bericht des türkischsprachigen Kanals des Nachrichtensenders Euronews.

„Wir beobachten, dass sich die niederländische Regierung in der vergangenen Zeit für türkische Ingenieure, die an wichtigen militärischen Projekten arbeiten, interessiert hat. Insbesondere im Verlauf des vergangenen Jahres wurden zahlreiche türkische Ingenieure durch niederländische Technologie- und Militärfirmen abgeworben”, wird der sozialdemokratische Abgeordneten İlhami Özcan Aygun von Euronews und DWN zitiert.

Abwerbung über LinkedIn

Als Hauptgründe für die Offenheit der Experten gegenüber Abwerbungsversuchen werden neben dem Wertverfall der türkischen Landeswährung auch die schlechten Arbeitsbedingungen im Land genannt. Viele hochqualifizierte Ingenieure würden nur als Leiharbeiter beschäftigt. Eine Wochenarbeitszeit von 45 Stunden und 10 Tage Jahresurlaub seien üblich. Ein ehemaliger Aselsan-Ingenieur gab gegenüber einer türkischen Zeitung anonym zu Protokoll, dass ASML gezielt mittels LinkedIn-Nachrichten Ingenieure ansprechen würde. Es würden zahlreiche Gehaltsverhandlungen laufen.     

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