Der Text klingt etwas seltsam. Bei genauem Hinsehen sogar unverständlich. Zumindest sehr umständlich. Sagt man das wirklich so? Gibt es diese Begriffe tatsächlich? Zweifel machen sich breit. Dabei haben Sie doch Profis mit der Übersetzung betraut! Und das Ergebnis? Ein Text, den Sie nicht verwenden können. Wer hat das nicht schon mal erlebt? Damit sich diese Erfahrung möglichst nicht wiederholt, im Folgenden einige Tipps zur Vermeidung von Übersetzungsfrust.

Suchen Sie zunächst nach einem Übersetzungsbüro, das sich in Ihrer Branche auskennt. Das sollte sich anhand einschlägiger Referenzen nachweisen lassen. Auf dieser Basis sollten Sie davon ausgehen können, dass der Übersetzer weiß, worüber er schreibt – und wie er schreiben sollte. Neben den Fachbegriffen sollte er auch wissen, was in der Branche vor sich geht und worauf es den Kunden ankommt.

Im nächsten Schritt sollten Sie den ausgewählten Übersetzer schriftlich briefen. Warum das denn? Der Text ist doch schon fertig und muss nur noch übertragen werden! Soweit, so falsch. Denn im Normalfall wird der Übersetzer den Text so nah wie möglich am Original in die Zielsprache übertragen. Doch ist das auch Ihr Ziel? Sie müssen dem Übersetzer verdeutlichen, wo er sich an das Original halten soll und wo er frei agieren darf (und den Ursprungstext eher als Input für einen eigenen Text betrachten sollte) – das sind unterschiedliche Expertisen!

Zudem ist der Hinweis hilfreich, wofür der Text verwendet wird. Geht es beispielsweise nur darum, einige Zeitungsartikel für die interne Information der Geschäftsleitung zu übersetzen? Dann muss die Übersetzung nicht „literarisch wertvoll“ sein, sondern den Ursprungstext exakt wiedergeben. Handelt es sich aber um eine Imagebroschüre oder eine Webseite, dann muss der Text die anvisierte Zielgruppe ansprechen. Und das ist erfahrungsgemäß in jeder Sprachkultur anders.

Machen Sie dem Übersetzer klar, dass er bei der Textübertragung die Perspektive wechseln muss. Wenn eine Pressemitteilung oder ein Broschürentext in Deutschland für den deutschen Markt geschrieben wird, hat er automatisch eine deutsche Perspektive. Diese muss bei der Übersetzung in die Sicht des anderen Landes übertragen werden. Das kann auch zu inhaltlichen Ergänzungen, der Erläuterung von Eigennamen oder einzelnen Streichungen führen.

Reagieren Sie auf Fragen des Übersetzers. Wenn er fragt, ist das kein Anzeichen von Inkompetenz! Im Gegenteil: Er denkt mit und fragt sich, ob bestimmte Dinge tatsächlich so gemeint sind. Im besten Fall weist er Sie auch noch auf Fehler im Ausgangstext hin – kann alles passieren. Nehmen Sie solche Fragen und Anmerkungen im Dokument ernst.

Lassen Sie sich zusichern, dass die Übersetzung von einem Muttersprachler ausgeführt wird und dass ein zweiter Muttersprachler den Text Korrektur liest. Bei vielen Übersetzungsbüros ist dies ein gängiges Verfahren, aber es ist eben nicht überall selbstverständlich. Es lässt sich leider nicht verhehlen: Es sind viele „Cowboys“ im Markt aktiv. Und man sieht es Ihnen nicht immer an …

Für technische oder juristische Übersetzungen sollten Sie einen zertifizierten und beeidigten Anbieter beauftragen. Das garantiert professionelle Standards und Prozesse. In diesem hochwertigen Segment – beispielsweise bei der Übersetzung von Verträgen oder technischen Dokumentationen für den Maschinenbau – sollte der Übersetzungsanbieter auch gut versichert sein. Fehler können teure Folgen haben.

Bevor Sie Ihren übersetzten Text veröffentlichen, sollten sie ihn möglichst von einem einheimischen Branchenkenner lesen lassen. Mit diesem Praxischeck können Sie letzte Zweifel ausräumen und guten Gewissens Ihre Kampagne starten.

Über den Autor

Frank Wöbbeking ist Geschäftsführer der Kommunikationsagentur mediamixx. Bei den genannten Tipps handelt es sich um Auszüge aus dem Buch „Erfolgreiche Marktkommunikation in den Niederlanden“, das er im Auftrag der IHK Mittlerer Niederrhein geschrieben hat. mediamixx ist Partner des internationalen Übersetzungsdienstleisters Noraktrad.