Die Ergebnisse des INTERREG V A-Projektes zur Durchführung eines „Quick-Scan Schienenverbindung Dortmund – Enschede“ wurden in Ahaus jetzt mit Vertretern aus anliegenden Städten und Gemeinden der Öffentlichkeit vorgestellt. Es wurde auf Initiative der in der Euregio an dieser Strecke liegenden Städte und Gemeinden gestartet und im Sommer 2018 gestartet. Ziel der Untersuchung war es, mögliche Verbesserungen des Angebotes auf der Westmünsterland-Bahn von Dortmund über Dülmen, Coesfeld, Ahaus und Gronau nach Enschede durch Verkürzung der Reisezeiten, eine Angebotsverdichtung (möglichst zum Halbstundentakt) und Anschlussoptimierungen in den Knoten Gronau, Coesfeld und Dortmund aufzuzeigen. Dazu wurden mögliche Maßnahmen in der Fahrplangestaltung, im Ausbau der Schieneninfrastruktur und in der Wahl des eingesetzten Zugmaterials untersucht.

Aus fünf Varianten mit unterschiedlichen Zeitlagen und daraus resultierenden Anforderungen an die Infrastruktur hat sich eine Vorzugsvariante herauskristallisiert, welche die wichtigsten Vorteile kombiniert:

  • Die Verbindung Dortmund – Gronau wird mit der Regional-Bahn-Linie RB 51 und einer zusätzlichen Regional-Express-Linie RE 51 bedient, die ohne Halt zwischen Dortmund und Lünen verkehrt und dann statt der heutigen RB 51 nach Enschede geführt wird.
  • Von Lünen bis Gronau werden alle Stationen im Wechsel von RE und RB in einem 30-Minuten-Takt bedient.
  • Die Reisezeit zwischen Dortmund und Enschede kann mit der RE 51 um 25 Minuten verkürzt werden. Dazu trägt maßgeblich bei, dass die heutigen Standzeiten in den Knoten Gronau und Coesfeld entfallen.
  • Die Verknüpfung des SPNV im westlichen Münsterland kann durch eine halbstündliche Knotenbildung in Enschede, Gronau und Coesfeld verbessert werden.
  • In Dortmund wird eine Verbesserung der Anschlüsse durch eine Einbindung in den Knoten zu jeder vollen Stunde mit vielen RE-Anschlüssen (z.B. Richtung Bielefeld, Wuppertal) erreicht.

Infrastrukturausbau an mehreren Stellen erforderlich

Das Angebotskonzept ist für die zukünftigen Planungshorizonte 2025 und den Zielzustand des Rhein-Ruhr-Express (RRX) identisch. Für die Umsetzung der Angebotsverbesserungen ist auf der heute eingleisigen Strecke mit wenigen Begegnungsmöglichkeiten ein Infrastrukturausbau an mehreren Stellen erforderlich:

  • In Selm ist ein kurzer Begegnungsabschnitt (zwei Kilometer) nördlich der Station Selm erforderlich.
  • In Dülmen muss ein zusätzlicher Bahnsteig mit barrierefreier Zuwegung für Zugbegegnungen gebaut werden.
  • Im Knoten Coesfeld ist eine zusätzliche Weichenverbindung zwischen der Strecke nach Dorsten und der Strecke nach Dortmund mit Einbindung in die Leit- und Sicherungstechnik erforderlich.
  • Zwischen Legden und Ahaus ist auf einer Länge von sechs Kilometern ein zweigleisiger Begegnungsabschnitt mit entsprechender Leit- und Sicherungstechnik erforderlich.
  • In Glanerbrug muss ein zusätzliches Gleis mit einem Bahnsteig für Zugbegegnungen eingerichtet werden.

Für die betriebliche Umsetzung dieser Vorzugsvariante ist der Einsatz von Akkutriebwagen, die gegenüber den heutigen Dieselfahrzeugen eine bessere Beschleunigung aufweisen, erforderlich. Dieses entspricht dem Ziel des SPNV-Aufgabenträgers Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), einen lokal emissionsfreien SPNV-Betrieb zu gewährleisten und anstelle von Dieselfahrzeugen künftig alternative Antriebe einzusetzen.

Gesamtkosten von 51 Millionen Euro

Eine grobe Kostenschätzung ergab für das Gesamtprojekt einen Wert von 51 Millionen Euro für den Ausbau der Infrastruktur. Für eine mögliche Vorstufe ohne den kostenintensiven Ausbau zwischen Legden und Ahaus wurden 22,6 Millionen Euro abgeschätzt. In dieser Vorstufe würde bereits die besonders für den Bereich nördlich von Coesfeld wirksame Reisezeitverkürzung mit dem Regional-Express und ein 30-Minuten-Takt zwischen Dortmund und Coesfeld umgesetzt werden können.

Die Vertreter der Städte und Gemeinden von Selm bis Enschede bekräftigten, dass das nur stündliche Angebot im südlichen und westlichen Münsterland mit wirtschaftlich starken regionalen Zentren im Vergleich zu anderen Regionen in NRW einer nachhaltigen Aufwertung bedarf. Davon profitiere neben den Bürgerinnen und Bürgern auch die Unternehmen und der Tourismus.

Das jetzt vorliegende Ergebnis der Studie soll dem Aufgabenträger NWL und dem Land als Grundlage dienen, den erforderlichen Ausbau der Infrastruktur frühzeitig voranzutreiben, sodass spätestens bis zum Jahr 2030 eine gut ausgebaute Infrastruktur in der Region zur Verfügung steht um das künftig erforderliche dichtere Verkehrsangebot umsetzen zu können.

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