Blog: „Die digitale Transformation in der Euregio ist in vollem Gange“

Blog: „Die digitale Transformation in der Euregio ist in vollem Gange“
Svenja Terheggen

Wie steht es um die digitalen Kompetenzen von Mitarbeitern kleiner mittelständischer Unternehmen (KMU) in der Euregio Rhein-Maas-Nord? Damit beschäftigt sich seit knapp zwei Jahren ein Team im Projekt „Mind the Digital Gap“. Dieses wird im Rahmen des INTERREG V A Programms Deutschland-Nederland ermöglicht und von der Europäischen Union (EU) mitfinanziert. Das Forschungsprojekt, eine Zusammenarbeit des Lectoraat Cross-Border Business Development der Fontys Venlo und des Lead Partner WFG Kreis Viersen, startete im September 2019 und endet diesen Sommer. An der Studie nahmen Mitarbeiter niederländischer und deutscher Unternehmen teil. Projektteilnehmerin Svenja Terheggen schildert die Herausforderungen im Umgang mit digitalen Technologien und Medien.

Vor zwei Jahren hatte ich noch nie von Microsoft Teams gehört. Projektarbeiten im Studium fanden immer nach der Vorlesung am Campus statt. Heute läuft alles virtuell ab. Nach der Online-Vorlesung geht es direkt ins nächste Online-Meeting mit den Kommilitonen. Täglich arbeite ich jetzt mit MS Teams, kenne aber trotzdem noch lange nicht alle Funktionen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Kannten Sie vor zwei Jahren MS Teams oder Zoom? Wie laufen Ihre Meetings aktuell ab? Kennen Sie alle Funktionen der Plattform? Für die meisten von uns sind die virtuellen Meetings Alltag geworden. Doch besitzen wir alle die benötigten digitalen Kompetenzen für den Umgang mit digitalen Technologien und Medien?

Digitale Kompetenz im Arbeitsalltag

Eveline Berden-Nabben, Mitarbeiterin der Mediathek der Fontys Venlo, verdeutlicht die Relevanz von digitalen Kompetenzen: „Digitale Kompetenzen werden in vielen, auch alltäglichen Situationen, benötigt. Welche Suchbegriffe wähle ich, um die benötigten Informationen zu finden? Ist die Quelle der Webseite vertrauenswürdig? Schreibe ich meiner Kollegin eine E-Mail oder rufe ich sie über Zoom an? Dies sind nur Beispiele für Situationen, in denen digitale Kompetenzen eine Rolle spielen.“

Die Corona-Pandemie hat nochmal deutlich gezeigt, wie wichtig digitale Kompetenzen gerade für Mitarbeiter von kleinen mittelständischen Unternehmen (KMU) sind. „Von heute auf morgen musste der Unternehmensalltag in die digitale Welt verlegt werden“, sagt Armin Möller, Projektleiter bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Kreis Viersen. Die Kommunikationswege haben sich geändert. Vom Kundengespräch vor Ort im Büro zum Gespräch über Zoom oder MS Teams. Dokumente und Verträge können nicht mehr einfach ausgedruckt und auf den Schreibtisch des Kollegen gelegt werden. Sie müssen digital gespeichert und versendet werden. Dabei gilt es, den Datenschutz zu beachten. „Die digitale Transformation von KMUs in der Euregio ist in vollem Gange“, so Möller.

Dr. Sven Pastoors, Leiter des Projektes, erklärt: „Um KMUs in der Region bei der digitalen Transformation zu unterstützen und das grenzüberschreitende digitale Zusammenarbeiten in Zukunft effizienter zu machen, haben wir das Projekt Mind the Digital Gap gestartet.“ Im Rahmen zweier Bachelorpraktika führten zwei Studentinnen verschiedene Forschungen rund um das Thema digitale Kompetenzen in der deutsch-niederländischen Grenzregion durch.

Unterschiedliche digitale Kompetenzen in der Grenzregion

Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der digitalen Spaltung zwischen den Niederlanden und Deutschland. Studien zeigen, dass deutsche und niederländische Bürger über unterschiedliche digitale Kompetenzen verfügen und somit eine Spaltung zwischen den beiden Ländern besteht. „Es ist wichtig, ein Wachsen der digitalen Spaltung in der Euregio Rhein-Maas-Nord zu verhindern. Eine digitale Spaltung kann für die grenzüberschreitende Region bedeuten, dass das digitale Zusammenarbeiten von Unternehmen von beiden Seiten der Grenze erschwert wird“, warnt Pastoors.

Zur Verdeutlichung des Problems ein Beispiel: Ein KMU aus der niederländischen Grenzregion und ein KMU aus der deutschen Grenzregion möchten eine Partnerschaft eingehen, um die Potenziale und Stärken der Unternehmen zu bündeln und zu nutzen. Das eine Unternehmen speichert und teilt Daten schon seit Jahren digital. Das andere Unternehmen schreibt Rechnungen noch klassisch auf Papier. Alle Dokumente werden sortiert und in Ordnern abgeheftet. Dies kann zur Folge haben, dass diese Mitarbeiter nicht über die benötigten digitalen Kompetenzen verfügen, Daten und Dokumente digital zu speichern oder zu versenden, was die digitale Zusammenarbeit erschweren kann.

Um herauszufinden, wie es um die digitalen Kompetenzen von Mitarbeitern in der Region steht und ob es zu einer Spaltung kommt, wurde unter anderem eine Umfrage unter Mitarbeitern von KMUs in der Euregio Rhein-Maas-Nord durchgeführt. In dieser Umfrage wurden die Teilnehmer gebeten, ihren wahrgenommenen Schulungsbedarf in verschiedenen digitalen Kompetenzen anzugeben. Dazu stand ihnen eine Skala zur Verfügung. Eins stand dabei für „Ich habe keinen Schulungsbedarf, ich bin fit in dieser Kompetenz“. Fünf stand für „Ich habe einen sehr hohen Schulungsbedarf, meine Fähigkeiten in dieser Kompetenz sind derzeit gering“.

Schulungsbedarf

An der Studie nahmen Mitarbeiter niederländischer und deutscher KMUs teil. In den Niederlanden lag der Fokus hierbei auf Mitarbeitern von Unternehmen mit Sitz in der Provinz Limburg. In Deutschland wurden Mitarbeiter aus dem Kreis Viersen, dem Kreis Kleve und dem Rhein-Kreis Neuss sowie den Städten Mönchengladbach, Krefeld und Düsseldorf befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass zwar keine direkte Spaltung zwischen den zwei Regionen in Bezug auf den Schulungsbedarf zu bestehen scheint, jedoch sieht es so aus, als wäre der Schulungsbedarf überwiegend sehr hoch.

Dieses Ergebnis zeigt sich in nahezu allen Bereichen der digitalen Kompetenz. Dazu zählen beispielsweise das kritische Bewerten von Informationen und Daten sowie dessen Quellen oder das Erstellen von digitalen Inhalten wie einer Präsentation. „Zudem sollten Mitarbeiter und auch Bürger digitale Kompetenzen im Bereich Sicherheit besitzen, um die eigenen Daten und auch die Daten des Unternehmens und dessen Kunden zu schützen“, erläutert Projektleiter Armin Möller. Das letzte Beispiel macht noch einmal deutlich, wie wichtig digitale Kompetenzen für Mitarbeiter kleiner mittelständischer Unternehmen sind. Wenn Kundendaten etwa durch einen Hackerangriff gestohlen werden, kann dies Folgen für das Unternehmen haben.

Damit solche und ähnliche Situationen verhindert werden können, müssen Unternehmen jetzt die digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter fördern. Sven Pastoors erklärt hierzu: „Die Ergebnisse der Studie bieten uns eine Basis, auf der wir Angebote zur Förderung digitaler Kompetenzen für regionale KMUs entwickeln können. Somit können KMUs auch in Zukunft effizient digital zusammenarbeiten, und zwar über die Grenze hinweg.“

Weitere Ergebnisse der Studie

Weitere Ergebnisse der Studie des Projektes Mind the Digital Gap werden in einem Webinar am 28. Juni 2021 präsentiert. Organisiert wird das Webinar vom Lectoraat Cross-Border Business Development der Fontys Venlo. Anmelden können Sie sich unter diesem Link.

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
X