Das Interesse bei den Mitarbeitern der Nimweger Sint Maartenskliniek war groß, als bekannt wurde, dass Radboud In’to Languages hier einen Deutschkurs anbietet. 40 Mitarbeiter – vom Schalterpersonal bis zum Facharzt – nahmen letztendlich die Möglichkeit wahr, ihre Sprachkenntnisse aufzubessern. „Sie sind alle darauf erpicht, ihre Patienten so gut wie möglich zu behandeln, auch den immer größer werdenden Anteil deutscher Patienten“, erklärt Mark Stegemann, orthopädischer Chirurg und treibende Kraft des Kurses.

Die Sint Maartenskliniek ist auf die hochkomplexe Behandlung orthopädischer Erkrankungen, Rheumaerkrankungen, Reha nach Krankheiten oder einem Unfall sowie Schmerzbekämpfung spezialisiert. Immer mehr Patienten aus dem deutschen Grenzgebiet suchen die Klinik auf. Ein häufiger Grund ist, dass sie für die Behandlung bei einem ähnlichen Spezialisten in Deutschland weitere Wege auf sich nehmen müssen. „Patienten aus Deutschland können im Bereich der Behandlung von Infektionen bei Prothesen, bei Fehlbildungen der Wirbelsäule, bei Skoliose und Rheumatologie von unserer Expertise profitieren“, so Anne Gerritsma, strategische Beraterin der Klinik. „In einem Radius von 100 Kilometern gibt es auf deutscher Seite beispielsweise nur zwei Rheumatologen, wobei der in Emmerich am Rhein ansässige Rheumatologe eine Wartezeit von sechs Monaten hat. In der Sint Maartenskliniek müssen die Patienten nur mit einer Wartezeit von zwei Wochen rechnen. Da ist die Wahl schnell getroffen.“

Zunahme deutscher Patienten

Die Klinik hat in den vergangenen Jahren eine deutliche Zunahme deutscher Patienten registriert. Derzeit werden jährlich etwa 160 Patienten aus dem Nachbarland im Nimweger Krankenhaus behandelt. Deutsche gehen lieber in niederländische Krankenhäuser, da sie hier eine bessere Prävention gegen MRSA-Bakterien – den sogenannten Krankenhauskeim – vorfinden, die Beziehung zwischen Patient und Arzt ebenbürtiger ist und sie den behandelnden Arzt frei wählen können. Vor kurzem hat die Klinik eine Umfrage unter deutschen Patienten durchgeführt, sagt Gerritsma: „Dabei hat sich gezeigt, dass sie mit der Behandlung sehr zufrieden waren, die Beherrschung der deutschen Sprache bei den Mitarbeitern aber noch zu wünschen übrig ließ.“ Daher beschloss die Sint Maartenskliniek, für ihre Mitarbeiter einen Deutschkurs anzubieten. Mark Stegeman und Anne Gerritsma gingen mit gutem Beispiel voran und meldeten sich ebenfalls an.

Dozentin Karin Derksen von Radboud in’to Languages.

Praktische Beispiele

Zunächst wurden die Kursteilnehmer nach Niveau (A, B oder C) und Jobprofil eingeteilt. „Wir unterscheiden zwischen Mitarbeitern, die intensiven Patientenkontakt haben, etwa Ärzte, und Mitarbeitern, die wenig Kontakt haben, z.B. das Schalterpersonal“, erläutert Dozent Kasper Maes von Radboud In’to Languages. Der Kurs dauert acht Wochen und besteht aus verschiedenen Modulen. Maes: „Schwerpunkte sind unter anderem die Anamnese, Arzt-Patientengespräche, die Erläuterung von Krankheiten, Gespräche, bei denen schlechte Nachrichten übermittelt werden müssen sowie Telefonate, Gespräche mit Kollegen, das Schreiben von Briefen und die Krankenhausstruktur in Deutschland. Zudem gehen wir auf interkulturelle Unterschiede wie Umgangsformen und Kommunikationsstile von Deutschen ein.“ Die Kursteilnehmer bringen selbst Beispiele aus der Praxis ein, die im Unterricht besprochen werden. „In der letzten Unterrichtsstunde habe ich meinen ersten ausführlichen deutschen Brief geschrieben und anschließend ein nützliches Feedback erhalten“, so Stegeman.

Deutschsprachige Patienteninformationen

Derzeit ist die Website der Sint Maartenskliniek teilweise in deutscher Sprache verfügbar, außerdem gibt es einige deutsche Patientenprospekte. Die Klinik plant jedoch, den Service für deutsche Patienten erheblich auszubauen. Auf der Website sollen beispielsweise Erfahrungen deutscher Patienten abgebildet werden. „Wir bereiten uns auf die Zukunft vor“, sagt Stegeman. „Wir denken darüber nach, auf der Website einen geschlossenen Bereich zu installieren, in den sich Patienten selbst einloggen können. Dort erhalten sie dann etwa Informationen über Hüftprothesen, Knöchelprothesen, etc. mit Erklärvideos. Auf diese Weise können viele Fragen bereits online beantwortet werden. Momentan erwägen wir, ein deutschsprachiges Pilotprojekt zu starten. So wissen sowohl die Patienten als auch die deutschen Krankenkassen, was die Behandlung beinhaltet, sodass keine Überraschungen auftreten.“

Mit gutem Beispiel voran

Radboud In’to Languages organisiert regelmäßig zugeschnittene Sprachkurse für Unternehmen und Institutionen. Auch bei der Radboudumc hat das Sprachinstitut bereits verschiedene Kurse für Pflegefachkräfte durchgeführt. „Die Maßstäbe des Kurses bei der Sint Maartenskliniek waren aber auch für uns neu“, gibt Judith Arns, Projektmanagerin bei Radboud In’to Languages zu. Die Kursteilnehmer sind sehr zufrieden mit der praktischen und persönlichen Interpretation des Kurses. Auch Stegeman merkt, dass er vom Deutschunterricht profitiert: „In kannte zuvor zwar schon viele deutscher Wörter, aber auf Deutsch zu telefonieren oder einen Brief zuschreiben ist noch einmal etwas anders. In diesem Kurs lernen wir zudem auch, die richtigen deutschen medizinischen Fachbegriffe zu verwenden.“ Gerritsma stimmt ihm zu: „Wir hoffen, als Sint Maartenskliniek ein gutes Beispiel für andere Krankenhäuser zu sein. Es wäre schön, wenn weitere niederländische Kliniken ihren Service auch deutschen Patienten anbieten.“

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