Weniger Unternehmensansiedlungen, aber viel Potential

Weniger Unternehmensansiedlungen, aber viel Potential

Im Jahr 2020 haben sich in den Niederlanden deutlich weniger ausländische Unternehmen angesiedelt als in den Jahren zuvor. Das geht aus den jährlichen Kennzahlen von „Invest in Holland“ und der Netherlands Foreign Investment Agency (NFIA), der Agentur für Auslandsinvestitionen des Ministeriums für Wirtschaft und Klima (EZK), hervor. Im vergangenen Jahr haben sich 305 ausländische Unternehmen, darunter Beyond Meat, Chargebee und Sekisui Polymatech, für eine Ansiedlung in den Niederlanden entschieden. Das meldet die niederländische Regierung.

Die neu niedergelassenen Unternehmen erwarten, dass sie in den ersten drei Jahren über 8.600 direkte Arbeitsplätze schaffen und 1,9 Milliarden Euro in ihre Projekte investieren werden. Obwohl der Brexit immer noch zu einem konstanten Strom neuer Unternehmen in die Niederlande führt, sorgen die Corona-Pandemie und wachsende Herausforderungen rund um das Geschäftsklima dafür, dass die Niederlande insgesamt weniger ausländische Unternehmen anziehen.

Attraktivität auch künftig sicherstellen

„Ich freue mich über alle ausländischen Unternehmen, die die Niederlande gewählt haben. Diese internationalen Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag zu unserer Wirtschaft. Davon profitieren dann auch die kleinen und mittleren Unternehmen als Zulieferer oder Kunden“, wird Wirtschaftsminister Bas van ‘t Wout in der Regierungsmitteilung zitiert. Man dürfe sich auf dem Status quo jedoch nicht ausruhen: „Wir müssen daher auch in Zukunft sicherstellen, dass die Niederlande für solche Unternehmen attraktiv bleiben. Investitionen in Forschung, Entwicklung, Innovation und Infrastruktur aus dem Nationalen Wachstumsfonds werden dazu beitragen, das Geschäfts- und Investitionsklima in den Niederlanden weiter zu stärken.“

Starke Sektoren kompensieren Rückgang

Die Investitionen ausländischer Unternehmen stehen wegen der weltweiten Pandemie überall unter Druck. Die globale Krisensituation und die wachsende wirtschaftliche Unsicherheit, verbunden mit immer neuen Reisebeschränkungen und Lieferproblemen, lassen Unternehmen bei der Eröffnung neuer Niederlassungen zögern.

In den Niederlanden ging die Zahl der ausländischen Investitionen im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um etwa ein Viertel zurück, die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze sank um rund 40 Prozent. Insbesondere dank starker Sektoren wie Life Sciences & Health, IT und Agrobusiness wird ein noch härterer Investitionsrückgang abgefedert. Etwa ein Drittel der ausländischen Unternehmen, die den Standort Niederlande wählen, kommen aus Asien und ein weiteres Drittel aus Nord- und Südamerika Andere Teile der Welt (Europa, Naher Osten, Afrika und Ozeanien) machen das übrige Drittel aus.

Gespräche mit 550 Brexit-Unternehmen

Sogar jetzt, nachdem eine Einigung in den zähen Brexit-Verhandlungen erzielt wurde, bleiben die Niederlande bei den betroffenen Unternehmen gefragt. Viele Firmen in Großbritannien haben derzeit Probleme aufgrund von zusätzlichem Verwaltungsaufwand, Verfahrensabläufen, Lieferzeiten und einem verzögerten Zugang zum europäischen Absatzmarkt. Die Unsicherheit der letzten Jahre ist also noch lange nicht verschwunden. Nicht zuletzt deshalb wächst die Zahl der Unternehmen, die sich in Richtung Niederlande orientieren, weiter an. Die NFIA führt derzeit mit 550 Brexit-Unternehmen Gespräche über einen Standortwechsel oder eine Expansion in die Niederlande. Dabei handelt es sich um britische Unternehmen, aber auch um amerikanische und asiatische Firmen, die ihre derzeitige europäische Organisationsstruktur infolge der durch den Brexit verursachten Unwägbarkeiten überdenken.

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