Wo aus hochgiftigen Gasen erneuerbare Energie wird

Wo aus hochgiftigen Gasen erneuerbare Energie wird
EnerPRO-Projektleiter Stefan Lambach (r.) und Regiokoordinator Tjardo Derksen.

Im Zuge der Bekämpfung des Klimawandels spielt die Transformation des Energiesystems in Richtung nachhaltiger Energieerzeugung eine entscheidende Rolle. Damit gehen große Herausforderungen einher, die jedoch bereits angegangen werden. Unter anderem dank des Förderprogramms EnerPRO, das deutsche und niederländische Unternehmen bei der Realisierung von Projekt- und Prozessinnovationen unterstützt. Wie und wo genau die finanzielle und fachliche Hilfe erfolgt, erklären Projektleiter Stefan Lambach und Regiokoordinator Tjardo Derksen im Interview. Perry van der Bogt vom Unternehmen 24/7 Nature Power aus Nimwegen stellt zudem den innovativen Ansatz seines Projektantrags vor.

AHA24x7.com: In welchem Gebiet arbeitet EnerPRO und was ist das Ziel des Förderprogramms?

Tjardo Derksen: Hauptsächlich sind wir in Teilen Nordrhein-Westfalens – am Niederrhein – tätig, auf niederländischer Seite kommen Gebiete der Provinzen Gelderland, Flevoland, Limburg und Nord-Brabant hinzu. Wir fördern kurz gesagt CO2-arme Produktinnovationen, die im grenzüberschreitenden Kontext von KMU entwickelt werden. Dazu gehören etwa Energieeffizienztechnologien, Elektromobilität, Photovoltaik und Solartechnik.

 

„Zunächst führen wir mit dem Unternehmen ein Orientierungsgespräch, bei dem erörtert wird, ob eine Förderung und Unterstützung grundsätzlich in Frage kommt. Ist dies der Fall, können wir neben der finanziellen Förderung bei unterschiedlichen Fragestellungen weiterhelfen.“

 

AHA24x7.com: Wie genau sieht die Unterstützung aus?

Stefan Lambach: Zunächst führen wir mit dem Unternehmen ein Orientierungsgespräch, bei dem erörtert wird, ob eine Förderung und Unterstützung grundsätzlich in Frage kommt. Ist dies der Fall, können wir neben der finanziellen Förderung bei unterschiedlichen Fragestellungen weiterhelfen – etwa beim Finden eines Partnerunternehmens in den Niederlanden und Deutschland, bei Konzeptentwicklungen, Machbarkeitsstudien und Entwicklungsprojekten für Produktinnovationen, bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und nicht zuletzt durch unser grenzüberschreitendes Netzwerk.

AHA24x7.com: Wie hoch ist die Förderung?

Stefan Lambach: Konzeptentwicklungen werden mit bis zu 2.500 Euro gefördert und Machtbarkeitsstudien mit bis zu 8.000 Euro. Wer einen Antrag für ein Entwicklungsprojekt einreicht, kann sogar bis zu 60.000 Euro Förderung erhalten.

AHA24x7.com: 24/7 Nature Power hat diese Förderung in Anspruch genommen. Was genau macht Ihr Unternehmen?

Perry van der Bogt: Unsere Intention ist es, die Qualität der Luft, die wir ständig einatmen, zu verbessern. Insbesondere in der Nähe von Flüssen. Was viele nicht wissen, ist, dass Binnenschiffe die Flüsse zur hochgiftigen Entgasung ihrer Tanks benutzen. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, eine nachhaltige Lösung für dieses Umweltproblem zu finden.

AHA24x7.com: Ist Ihr Vorhaben geglückt?

Perry van der Bogt: Absolut! Wir haben ein geschlossenes System entwickelt, das diese Emissionen in Energie verwandelt. Zunächst werden die Gase in einem Kondensationsprozess verflüssigt, anschließend können sie entweder als erneuerbare Energie genutzt oder in weiteren Prozessen zur Wiederverwendung im Sinne der Kreislaufwirtschaft aufbereitet werden. Und genau hier liegt die Innovation: Zwar gibt es bereits Lösungen, die die hochgiftige Entgasung eindämmen, aber keine davon ist nachhaltig und nutzt die freigesetzte Energie zu anderen Zwecken.

 

„EnerPRO hat uns dabei geholfen, neue Kontakte in Deutschland und den Niederlanden zu knüpfen und darüber hinaus in neuen Gebieten Fuß zu fassen.“

 

AHA24x7.com: Wie geht es jetzt weiter?

Perry van der Bogt: Wir sind mit den zuständigen Behörden in Gesprächen, weil es unser langfristiges Ziel ist, unser System, dass in einer Art Schiffscontainer steckt, entlang von Rhein und Waal und in den großen Häfen zu installieren. Wichtig ist, dass alle Länder, durch die der Rhein fließt, an einem Strang ziehen. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Niederlande als Land mit den meisten Binnenschiffen hier vorangehen müssen.

AHA24x7.com: Wie sah die Zusammenarbeit mit EnerPRO aus?

Perry van der Bogt: Wir sind durch die niederländische Energie- und Umwelttechnik-Agentur Stichting kiEMT und Oost NL, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für die Provinzen Gelderland und Overijssel, auf das Förderprogramm aufmerksam geworden. EnerPRO hat uns dabei geholfen, neue Kontakte in Deutschland und den Niederlanden zu knüpfen und darüber hinaus in neuen Gebieten Fuß zu fassen. So können wir hoffentlich bald unser Vorhaben in die Tat umsetzen, eine zweite Einheit unseres Systems zu bauen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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