Ein länglicher anthrazitfarbener Körper, vier aerodynamisch geschwungene Flügel und ein hellblauer Kopf: Was erst einmal ungewöhnlich klingt, ist eine sehr praktische Erfindung eines niederländischen Start-ups der University of Twente in Enschede. AER, so der Name des jungen Unternehmens, hat einen Schaumstoffpfeil entwickelt, in den sich eine GoPro-Kamera einbauen lässt. Wirft man ihn in die Luft, entstehen einzigartige Actionaufnahmen und Selfies. Das Besondere: die Kamera ist selbst bei einem harten Aufprall des Pfeils bestens geschützt. Der Schaumstoffpfeil, an dessen Entwicklung auch ein deutscher Student maßgeblich beteiligt war, geht in Kürze in Serienproduktion. Denn das Ziel seiner Crowdfunding-Kampagne hat das Unternehmen deutlich übertroffen.

Das AER-Team v.l.n.r.: Daan Wijdeveld, Mark de Boer, Levin Pablo Trautwein, Nick Schijvens.

Das AER-Team v.l.n.r.: Daan Wijdeveld, Mark de Boer, Levin Pablo Trautwein, Nick Schijvens.

Die vielversprechende Idee kam den Gründern aus der Not heraus. Der deutsche Student Levin Pablo Trautwein sowie seine beiden niederländischen Kommilitonen Nick Schijvens und Mark de Boer wollten für ein Projekt ein Video mit kreativen Techniken und Luftaufnahmen drehen. Da sie kein Geld hatten, um sich eine Drohne zu kaufen, aber über eine GoPro-Kamera verfügten, entschlossen sie sich, einen provisorischen Flugkörper zu bauen. Mit Schaumstoff gepolstert, Panzerband befestigt und Karton stabilisiert, wagten sie einen Versuch, die Kamera in die Luft zu werfen. Und von dem Ergebnis waren sie begeistert: Es entstanden einzigartige Aufnahmen mit einem sehr guten Bild. „Als Nick mir erstmals von seiner Idee erzählt hat, daraus ein Gadget zu entwickeln, mit dem man seine Go-Pro-Kamera problemlos und sicher in die Luft werfen kann, war ich ehrlich gesagt etwas skeptisch“, gibt der erst 23-jährige Levin Pablo Trautwein zu, fügt aber an: „Als ich mir dann aber noch einmal die Aufnahmen angesehen habe, konnte ich mir das Produkt doch sehr gut vorstellen. Die Bilder sahen sehr dynamisch und lebendig aus, so etwas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen.“

Den optimalen Schutz finden

Anschließend begannen sie, zu untersuchen, wie viel Potential tatsächlich in ihrem Produkt steckt. Zudem galt es, das Produkt weiterzuentwickeln. „Das war eine große Herausforderung. Wir mussten AER so planen, dass er die Go-Pro-Kamera optimal schützt. Dazu sind ein guter Entwurf, aber auch die richtigen Materialien nötig“, so Nick Schijvens. Trautwein ergänzt: „Wir mussten darauf achten, dass besonders die Vorderseite sehr gut geschützt ist, dieser Schutz aber gleichzeitig nicht die Sicht der Kamera einschränkt.“

Die Seitenansicht des Schaumstoffpfeils.

Die Seitenansicht des Schaumstoffpfeils.

Crowdfunding als doppelter Vorteil

Als sie das Produkt schließlich bis zur Serienreife entwickelt hatten, kam das Thema Finanzierung ins Spiel. Denn es ist mit einigen Investitionen verbunden, die Produktion zu starten. Die Entscheidung, das Geld über eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Kickstarter einspielen zu wollen, haben sie gleich aus zwei Gründen gefällt. Zum einen stünden die Chancen dort sehr gut, in einem relativ kurzen Zeitraum das nötige Kapital zu erhalten, zum anderen habe man so gleich das Feedback anderer Personen zum Produkt erhalten. „Einige Nutzer der Plattform haben uns sehr nützliche Tipps gegeben, wie wir das Produkt an der einen oder anderen Stelle noch verbessern können. Die Leute dort sind nämlich sehr technikaffin und immer auf der Suche nach dem Neuesten vom Neuen“, sagt Levin Pablo Trautwein.

Und die Kampagne stellte sich innerhalb kürzester Zeit als Riesenerfolg heraus: AER hatte sich ab dem 29. September ein Finanzierungziel von 70.000 Euro innerhalb von 35 Tagen gesetzt. Schon nach der Hälfte der Zeit erreichten sie es, am Ende standen gar 123.602 Euro von 1.947 Unterstützern zu Buche. „Dass unser Produkt so gut ankommt, haben wir nicht für möglich gehalten, wir sind überwältigt“, freut sich Trautwein.

Neue Produkte in Planung

Nun möchte sich das Start-up der University of Twente auf die Produktion seines fotografierenden Schaumstoffpfeils konzentrieren. Trautwein: „Für uns beginnt nun erst die richtige Arbeit. Wir müssen AER produzieren lassen und an die Kunden versenden.“ Das aber soll nur der Anfang sein, denn die jungen Erfinder haben schon Ideen für neue Produkte. Auch eine Weiterentwicklung des jetzigen Produkts haben sie schon ins Auge gefasst, schließlich ist gibt es auch noch die GoPro-Session-Serie, Mini-Varianten der Kamera. Und auch die wollen beim Wurf bestens geschützt sein.

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