Reisen sind untersagt, Ausflugsziele geschlossen, Messen abgesagt, Produktionsstätten heruntergefahren: Die Coronakrise trifft viele Kunden von mediamixx, vor allem in den Bereichen Industrie und Tourismus. Wie reagiert die deutsch-niederländische Kommunikationsagentur auf die veränderte Situation? Im Interview mit AHA24x7.com erläutert Geschäftsführer Frank Wöbbeking, wie Kunden abseits großer Kampagnen derzeit unterstützt werden können.

Frank Wöbbeking

AHA24x7.com: Viele Ihrer Kunden haben den Betrieb eingeschränkt oder ganz eingestellt. Wie reagieren Sie darauf?

Frank Wöbbeking: Das geht nur auf die holländische Weise: die Entwicklungen genau verfolgen, flexibel auf Veränderungen reagieren und jede Chance ergreifen, die sich unterwegs bietet. Wir schauen täglich neu, wo sich Möglichkeiten ergeben. Das kann bei bestehenden Kunden und Projekten sein, das können aber auch ganz neue Ansätze sein. Die Umsetzung ausgearbeiteter Pläne ist derzeit keine Option. Da niemand weiß, wie es weitergeht und wann die einzelnen Branchen wieder hochfahren, kann man keine ernsthaften Pläne entwickeln. Man kann höchstens verschiedene Szenarien durchspielen.

Für die Kunden heißt das: Wir beraten sie, wie sie mit der Krise umgehen können. Zum einen geht es darum, wie virusbedingte Schließungen kommuniziert werden oder wie angemessen auf Reisewarnungen reagiert wird. Wie bleiben unsere Kunden im Gespräch? Wie können wir ein Stück Holland zu den deutschen Gästen nach Hause bringen? Die Ideenpalette reicht von der Gorilla-Fütterung im Livestream bis zum virtuellen Meeresrauschen an der zeeländischen Küste. Zum anderen geht es darum, „die Zeit danach“ vorzubereiten. Wenn am „Tag X“ alles wieder anläuft, sollte man dafür gewappnet sein, sprich wissen, was dann zu tun ist. Wer dann erst noch Ideen entwickeln und Angebote einholen muss, kommt zu spät.

 

„Wir schauen, wie wir uns in dieser außergewöhnlichen Zeit gegenseitig inspirieren und unterstützen können.“

 

AHA24x7.com:Wie hat sich Ihre Arbeit verändert?

Frank Wöbbeking: Jetzt bietet sich beispielsweise die Chance für Wartungsarbeiten. Das betrifft nicht nur Unternehmen, die ihre Fertigung heruntergefahren haben und marode Komponenten austauschen, sondern auch Kunden, die ihre Kommunikationsmittel wie Webseiten, Broschüren oder Filme überarbeiten wollen. Deshalb schauen wir, wo wir unsere Kunden in diesem Bereich unterstützen können. Mal muss ein Impressum angepasst werden, mal ist eine neue Unterseite noch nicht richtig übersetzt worden, mal muss ein Videointerview aktualisiert werden. Gerade ein fehlendes oder fehlerhaftes Impressum kann teuer werden; eine Gefahr, die niederländische Kunden immer wieder unterschätzen.

Gleichzeitig suchen wir das Gespräch mit verschiedenen Medienhäusern, die auch vor der Herausforderung stehen, dass Corona alles auf den Kopf gestellt hat. Pressereisen, Pressekonferenzen und individuelle Termine können aktuell nicht stattfinden. Wir schauen, wie wir uns in dieser außergewöhnlichen Zeit gegenseitig inspirieren und unterstützen können.

AHA24x7.com: Gibt es auch ganz andere Tätigkeiten?

Frank Wöbbeking: Ja, ein anderes Thema, bei dem wir unterstützen können, ist die Finanzkommunikation eines Kunden. Gerade in einer solchen Krisensituation ist die proaktive Kommunikation mit Stakeholdern wichtig. Dazu zählen beispielsweise die Auskunfteien, die man beauftragt, um die Bonität von Neukunden zu prüfen. Die bewerten natürlich auch einen selbst. In der gegenwärtigen Situation kann die eigene Bewertung plötzlich rapide sinken, ohne dass man selbst etwas Falsches getan hat. Deshalb ist es wichtig, von sich aus auf die Auskunfteien, Banken, Kreditversicherer und andere Institutionen zuzugehen. Auch mit Kunden und Lieferanten oder Dienstleistern sollten intensive Gespräche geführt werden. Wer frühzeitig erfährt, wie sich die Lage bei seinen Geschäftspartnern gestaltet, kann rechtzeitig reagieren und ist vor bösen Überraschungen wie Zahlungsausfällen oder Lieferstopps sicher.

 

„In Zukunft werden wir sicherlich häufiger darüber nachdenken, ob wir für ein Meeting wirklich hunderte Kilometer mit dem Auto zurücklegen müssen oder ob nicht auch ein virtuelles Treffen ausreicht.“

 

AHA24x7.com: Wie haben Sie organisatorisch auf die Krise reagiert?

Frank Wöbbeking: Um die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu schützen, haben wir unsere Arbeit größtenteils ins Homeoffice verlegt. Gleichzeitig haben wir die Arbeitszeiten verkürzt. Dennoch sind wir jederzeit für unsere Kunden erreichbar. Da immer mindestens zwei Kollegen für einen Kunden zuständig sind, ist einer von beiden auf jeden Fall online. Bei Bedarf können wir jederzeit kurzfristig wieder komplett hochfahren.

AHA24x7.com: Gibt es auch etwas Positives, das sie aus der Krise mitnehmen?

Frank Wöbbeking: Positiv ist vor allem die Solidarität, die wir erfahren haben. Verlage, Veranstalter, Künstler usw. haben sehr verständnisvoll auf Absagen oder Verschiebungen reagiert. Das „Wir sitzen alle in einem Boot“-Gefühl hat uns miteinander verbunden und beeinflusst hoffentlich auch weiterhin, wie wir miteinander arbeiten.

In Zukunft werden wir sicherlich häufiger darüber nachdenken, ob wir für ein Meeting wirklich hunderte Kilometer mit dem Auto zurücklegen müssen oder ob nicht auch ein virtuelles Treffen ausreicht, ja vielleicht sogar effektiver ist, sprich: Zeit spart und die Umwelt schont.

Vielen Dank für das Gespräch!

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