Nach beinahe zwei Jahren in Nimwegen stelle ich mir diese Frage fast täglich. Wer bin ich nach mittlerweile 22 Monaten? Und viel wichtiger: Habe ich nur eine Identität? Bin ich nur der 25-jährige Deutsche aus der Nähe von Frankfurt am Main oder habe ich inzwischen noch weitere Identitäten angenommen?

Ich wohne in einem Haus mit elf anderen Studenten, ich habe meine eigene Küche und wir teilen uns nur die Toiletten und die Duschen. In meinem Haus wohnen zufälligerweise auch noch zwei meiner Kommilitonen. Gerade für Gruppenarbeiten oder wenn mal jemand eine Frage hat, ist das ziemlich praktisch. Mein Alltag ist der eines typischen Studenten. Ich kann meistens ausschlafen und mache mich mittags auf den Weg zur Uni. In der Regel geht ein Tag dann bis höchstens 17 Uhr. Oft esse ich mit Kommilitonen oder Freunden, die auch an der Uni studieren, zusammen in der Mensa zu Abend. Manchmal kochen wir aber auch etwas bei jemandem zuhause. So lernt man sich untereinander schnell besser kennen und wächst zu einer Gruppe zusammen, in der sich alle auf gleicher Augenhöhe begegnen.

Als ich im August 2015 nach Nimwegen kam, fühlte ich mich noch ziemlich deutsch. Ich war noch immer im Linguistik-Studium und hatte dementsprechend noch öfter mit meiner Uni zu Hause zu tun. Das erlaubte mir noch nicht komplett in meine neue Umgebung in den Niederlanden einzutauchen. Als ich meinen Bachelor im Sommer 2016 abgeschlossen hatte und die Vorbereitungen für den Master Niederlande-Deutschland-Studien starteten, begannen sich für mich völlig neue Perspektiven zu ergeben.

Aber zunächst ein kleiner Rückblick:

Im Dezember 2015 hörte ich bei einer Infoveranstaltung für internationale Bachelorabsolventen zum ersten Mal vom Master Niederlande-Deutschland-Studien, der von der Radboud Universität Nijmegen und der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster angeboten wird. Ich entschloss mich noch am gleichen Tag, mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Es studieren Niederländer und Deutsche zusammen im ersten Jahr in Nimwegen und gehen dann zum zweiten Jahr nach Münster. Bei meiner Online-Recherche fiel mir auf, dass ich mit meinen Qualifikationen als Linguist und meinen Niederländischkenntnissen gute Chancen hätte, für den Master angenommen zu werden.

Was mir besonders gut gefällt, ist, dass wir, also Niederländer und Deutsche, zusammen studieren und somit auch von- und miteinander lernen. Durch diesen Austausch lernt man sehr viel. Das Besondere ist zudem, dass Studenten mit unterschiedlichen Bachelorabschlüssen beim Master zusammenkommen. So lernt man nicht nur kulturell voneinander, sondern man bereichert sich auch gegenseitig fachlich, da jeder einen unterschiedlichen Hintergrund hat. Außerdem gefallen mir die verschiedenen Möglichkeiten, sich in einem fachlich relativ breit gefächerten Master (Kommunikation, Politik, Geschichte, Wirtschaft, Sprache, Kultur, Recht) in eine konkrete Richtung entwickeln zu können. Gerade ich, der eigentlich seit dem Abitur nicht genau weiß, wo der Weg ihn hinführt, bekam dadurch eine neue Perspektive. Meine beruflichen Perspektiven haben sich mittlerweile auch gefestigt. Gerade durch meine Tätigkeit als „student assistent“ (HiWi), gepaart mit meiner Tätigkeit als Praktikant innerhalb eines von der EU geförderten Projekts, haben sich für mich einige Türen geöffnet. Ich würde mich gerne auch in Zukunft weiter mit der euregionalen Zusammenarbeit beschäftigen und somit für ein stärkeres Europa eintreten. In Nimwegen, aber auch in anderen Städten in den Niederlanden, wird der „European Spirit“ schon gelebt. Die Menschen sind freundlich, aufgeschlossen und bereit Kompromisse einzugehen. Genau das sind die Dinge, die mir gut an den Niederlanden gefallen und die letztendlich die Basis für eine gute Zusammenarbeit legen.

Liegt Dir mehr Verbundenheit in Europa am Herzen? Interessierst Du Dich für Deutschland und die Niederlande? Hast Du eine abgeschlossene Bachelor- oder Masterausbildung? Dann solltest Du Dich bis zum 3. Juli für den Master Niederlande-Deutschland-Studien bewerben.

 

Über den Autor

Jonas Lang (1992) kommt ursprünglich aus der Nähe von Frankfurt am Main, wo er 2012 begann, Linguistik zu studieren. Noch während seines Studiums entschied er sich für ein Auslandsjahr in Nimwegen im Rahmen des Erasmusprogramms.  Nach dem erfolgreichen Abschluss des Bachelors entschied er sich seine hessische Heimat dauerhaft zu verlassen und nahm das Masterstudium Niederlande-Deutschland-Studien an der Radboud Universität in Nimwegen auf.  Momentan arbeitet er als student assistent (HiWi) in der Abteilung Deutsche Sprache und Kultur und ist beteiligt am Interreg-Projekt Nachbarsprache & buurcultuur.