Zentrale Lage, hochqualifiziertes Personal, internationale Branchencluster, politische Förderung, Innovationsklima und Studiengänge, die auf die Bedürfnisse des Marktes eingehen: Die niederländische Provinz Limburg setzt auf die Zukunftsbranche Logistik. Die Region will sich jetzt verstärkt in Deutschland präsentieren – beispielsweise vom 9. bis zum 12. Mai auf der Messe transport logistic in München.

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Die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Logistikbranche bildet die zentrale Lage Limburgs: Die Region ist der südliche Ausläufer der Niederlande zwischen Belgien und Deutschland – und liegt genau im Korridor zwischen den Häfen Rotterdam, Antwerpen und Duisburg. Für Luftfracht sind acht Flughäfen in einem Umkreis von anderthalb Stunden zu erreichen. Zudem kreuzen mehrere Autobahnen, Flüsse und Kanäle die Provinz. Große HUBs von TNT, DHL und UPS verteilen ihre Fracht nur wenige Kilometer außerhalb der Provinzgrenzen. Aus diesem Grund haben sich eine große Zahl an Logistikunternehmen und Service-Providern in Limburg angesiedelt.

Limburger DNA

Dieser Lage an der Schnittstelle zwischen Holland, Belgien, Deutschland und Frankreich verdankt die Region ihre besondere DNA. Die Einwohner sind mehrsprachig, kommunikativ und kennen die geschäftlichen Gepflogenheiten ihrer Nachbarn – und nutzen die Grenzlage als Chance. „Wir verbinden das Beste aus drei Welten: holländischen Handelsgeist und Pragmatismus, deutsche Qualitätsansprüche und Zuverlässigkeit sowie französisch-belgische Lebensart“, heißt es bei der Limburger Wirtschaftsförderungsgesellschaft LIOF.

„Auf diesen Grundlagen hat sich Limburg zu einer logistischen Drehscheibe der Extraklasse entwickelt. Logistik ist für uns eine wichtige Zukunftsbranche. Deshalb fördern wir Ansiedlungen und Innovationen in diesem Sektor“, erklärt Twan Beurskens, Regionalminister für Wirtschaft und Wissen der Provinz Limburg. In vergleichenden Standort-Studien bezüglich europäischer Verteilzentren ist Limburg führend für Industriezweige wie Electronics & FMCG, Mode & Lifestyle, Nahrungsmittel, Frischeprodukte, Blumen und Pflanzen, Medtech, Automotive, Stahl und andere produzierende Wirtschaftszweige, gemessen an den Kosten für die gesamte Lieferkette und Qualitätsfaktoren. In der Branche arbeiten 60.000 Beschäftigte, die einen Umsatz von fünf Milliarden Euro erwirtschaften.

Cluster + Logistik

Um die benötigten Gewerbeflächen effektiv zu nutzen, hat die Regionalverwaltung die Bildung von Branchenclustern initiiert. Rund um die Stadt Heerlen beispielsweise hat sich ein Zentrum der Medizintechnik entwickelt: „Zunächst hat sich der Konzern Medtronic hier niedergelassen. Um diesen Weltmarktführer herum konnten wir ein großes Medtech-Cluster entwickeln. So haben sich Unternehmen wie Abbott, ACIST Europe, DocMorris und Boston Scientific angesiedelt, inklusive der kompletten Logistik. So betreibt TNT hier einen speziellen Health Care Hub“, erklärt Martin de Beer, Dezernent der Stadt Heerlen. Und die Entwicklung geht weiter: Zurzeit errichtet Medtronic zusammen mit CEVA Logistics ein 33.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum. Von hier aus können 15.000 Krankenhäuser innerhalb von 24 Stunden beliefert werden.
Neben dem Grundstück im Gewerbegebiet und der Verkehrsanbindung ist auch qualifiziertes Personal erforderlich. Bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern unterstützt die Stadt aktiv Unternehmen aus der Logistikbranche. „Neben finanzieller Unterstützung organisieren wir Fortbildungen, helfen bei der Anwerbung und begleiten potenzielle Arbeitskräfte bei der Qualifizierung“, berichtet De Beer.

E-Commerce

Im Bereich E-Commerce hat sich rund um Venlo ein Hotspot entwickelt – vor allem für Konzerne aus den Bereichen Mode und Elektronikbedarf. Jüngst haben Unternehmen wie VidaXL und Michael Kors E-Commerce-Distributionszentren in Venlo eröffnet. Schon seit mehr als 20 Jahren betreibt Amway in Venlo ein Distributionszentrum (DC) und ein Fulfillment -Center. „Wir sind 1996 nach Venlo umgezogen. Wir sind damit einer Empfehlung von Seacon Logistics gefolgt, einem unserer Logistikpartner“, blickt Chris Werner, Director Operations Europe, Russia & SA, zurück. Von Venlo aus beliefert Amway DCs und Fulfillment-Center in Europa, Russland und der Türkei. „Ideal ist an dem Standort, dass die Waren von Rotterdam aus per Schiene, Straße und Wasserweg bis direkt vor unsere Tür geliefert werden können. Außerdem bietet der Standort in den Niederlanden Steuer- und Zollvorteile. So brauchen wir nur einmal monatlich rückwirkend eine Zollerklärung abzugeben.“
Auch die Immobilienbranche der Region hat sich auf die Nachfrage eingestellt. So hat der Immobilieninvestor Prologis einen großen Logistikpark entwickelt, während die Heylen Groep einen „VE-commerce Logistic Campus“ errichtet hat. „Diese Entwicklungen bestätigen, dass Venlo sich zu einer europäischen Top-Location für die Logistikbranche gemausert hat“, betont Stephan Satijn, Wirtschaftsdezernent der Stadt Venlo.
Seit Mitte 2016 arbeiten zudem neun Partner aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam daran, das Profil Limburgs im Bereich E-Fulfillment weiter zu schärfen. Der Zusammenschluss nennt sich „e-FulFilment Hub“ und bündelt Expertise und Ideen rund um alle logistischen Abläufe, die aus Online-Bestellungen resultieren – auch über Landesgrenzen hinweg.

Campus + Wirtschaft

Eine Limburger Besonderheit bildet die enge Kooperation zwischen Wirtschaft und Campus: Die Fontys Hogeschool (Fachhochschule für Technik und Logistik) beispielsweise bietet Studiengänge an, die sich an den Bedürfnissen der regionalen Logistikwirtschaft orientieren. „Auf Wunsch organisieren wir auch Weiterbildungen zu bestimmten Themen“, betont Hans Aarts, Direktor der Hochschule. Zudem werden zahlreiche Projekte im Zusammenspiel zwischen Forschung, Unternehmen und Behörden durchgeführt, teilweise unterstützt durch die Europäische Union. „Zoll ist beispielsweise ein spannendes Thema. Viele Container kommen ungeöffnet von Rotterdam nach Venlo und werden hier vor dem Weitertransport verzollt. Darum dreht sich beispielsweise ein Projekt.“ Weitere Kooperationen befassen sich mit Themen wie E-Fulfillment. Von den 400 Studenten im Bereich Logistik stammen übrigens 30 Prozent aus Deutschland.

Die Limburger Logistikbranche

Die Vielfalt und der komplementäre Charakter der Limburger Logistikbranche spiegelt sich in den Teilnehmern wider, die sich unter dem Label „Logistiek Limburg” zusammengeschlossen haben: Broekman Logistics, Emons Group BV, Flex Global Services and Solutions (Flextronics), Fontys Hogescholen/KennisDC Logistiek Limburg, Gehlen Schols Logistics, Gemeente Heerlen, Gemeente Venlo, KLG Europe, Koopman Automotive Solutions BV, LIOF, Maasterminal Maastricht BV, Multitax Transport International, Otto Work Force, TANS, VIA Recruitment, Welsi BV, Wessem Port Services Group BV und Wetron Transport & Logistics.

Auf der Logistik-Leitmesse transport logistic in München präsentiert sich die Limburger Logistikbranche am Gemeinschaftsstand A4.207/306.

Weitere Informationen: Ine Creemers, Connect Limburg, E-Mail: i.creemers@connectlimburg.eu, Tel.: +31 475 381939