„Ein Wachstum, bei dem alle in der Lieferkette profitieren“

„Ein Wachstum, bei dem alle in der Lieferkette profitieren“
Das seepje-Team mit Gwendolyn Behnke (vorne, 2. v.r.). Foto: seepje

Wasch- und Reinigungsmittel ohne Chemie, die Verpackung aus garantiert recyceltem Kunststoff und das Unternehmen bezieht seine Produkte aus fairem Handel. Zu schön, um wahr zu sein? Dass Gewinnmaximierung und Wachstum durchaus einen positiven Impact für Mensch und Natur erzielen können, stellen seit einigen Jahren zwei junge Niederländer unter Beweis. Melvin Loggies und Jasper Gabriëlse sahen 2013 als 21-jährige Studenten im Fernsehen, wie eine Frau in Nepal mit natürlicher Seife aus Fruchtschalen Wäsche wusch. Eine Geschäftsidee war geboren. Die Waschnuss-Erzeugnisse des Unternehmens „seepje“ sind inzwischen bei mehr als 4.500 Verkaufsstellen in den Niederlanden, Belgien und Deutschland erhältlich. „Aus unserer Marktforschung wissen wir, dass deutsche Verbraucher kritische Verbraucher sind“, sagt die für den Deutschlandvertrieb zuständige „Waschkanzlerin“ Gwendolyn Behnke im Gespräch mit AHA24x7.com. „Im Bio-Segment sind sie überdurchschnittlich informiert, wir wollen aber auch in Deutschland möglichst viele Menschen erreichen.“

 

AHA24x7.com: Frau Behnke, unterhält Ihr Unternehmen für die Erzeugung seiner „Waschnüsse“ Plantagen in Nepal?

Gwendolyn Behnke: Nein, die Früchte wachsen in freier Natur an Bäumen, wie Nüsse oder Kastanien. Sie werden von der Landbevölkerung geerntet, danach getrocknet und entkernt; in der Schale befindet sich das Saponin, die natürliche Seife. Das Erzeugnis wird für „seepje“ in Großbehältern verpackt und anschließend verschifft.

AHA24x7.com: „seepje“ nimmt für sich in Anspruch, neben umweltfreundlichen Produkten auch die Produktionsbedingungen vor Ort im Auge zu haben – Stichwort „fairer Handel“. Wie genau gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Bauern, die die Waschnüsse ernten und aufbereiten?

Gwendolyn Behnke: Wichtig war von Anfang an, dass die Natur vor Ort erhalten bleibt. „seepje“ ist Mitglied der „World Fair Trade Organization“, gemeinsam setzen wir uns für die Verbesserung der Produktions- und Lebensbedingungen vor Ort ein. Die „seepje“-Gründer waren im letzten Jahr vor Ort, um sich persönlich davon zu überzeugen, dass alle in der Lieferkette profitieren. Das einzigartige an diesem Unternehmen ist es, dass es die gesamte Produktions- und Lieferkette im Blick hat, von der Ernte der Frucht in Nepal bis zur Flasche im Laden hier. Die Bauern vor Ort bekommen einen ehrlichen Lohn für ihre Arbeit, wir achten darauf, dass es aufgrund unserer Nachfrage dort nicht zu Engpässen für die lokale Bevölkerung kommt. „seepje“ setzt sich für den Naturerhalt vor Ort ein, so dass die Waschnüsse auch in den kommenden Jahren nachhaltig geerntet werden können.

Auch machen wir uns natürlich Gedanken über den Transport nach Europa, der sollte möglichst CO2-neutral sein. Um das zu realisieren, haben wir uns zur Zusammenarbeit mit dem „Good Shipping“-Programm entschlossen. Die stellen recycelte Biokraftstoffe her und der Schifffahrt zur Verfügung. Weil auf diese Weise kein neuer Kraftstoff erzeugt wird, wird CO2 eingespart. So verläuft der Transport übers Meer CO2-neutral. Die Herausforderung für nachhaltig operierende Unternehmen ist die ständige Frage, welches Gewicht man als kleines Unternehmen hat, um zur Bewusstseinsveränderung der Verbraucher beizutragen. Selbstverständlich wollen auch wir als Unternehmen wachsen, aber trotzdem unseren Standards treu bleiben, damit alle in der Lieferkette profitieren.

 

„Wir zeigen uns sehr transparent, erläutern, was wir machen und was wir noch verbessern möchten. Verbraucher sollen schließlich bei ihrer Kaufentscheidung genau wissen, was drin ist, wie das Produkt hergestellt wurde und wie es in den Handel gelangt ist.“

 

AHA24x7.com: Wasch- und Reinigungsmittel ohne synthetisch-chemische Inhaltsstoffe, Flaschen aus größtenteils recyceltem Kunststoff… Sind die deutschen Verbraucher eurer Meinung nach empfänglich für Produkte, die dazu beitragen können, die Klimaveränderung zu stoppen und die Weltmeere zu retten?

Gwendolyn Behnke: Auf jeden Fall, gerade in Deutschland bemühen sich seit langem Verbraucher und Organisationen um mehr Nachhaltigkeit. Das zeigt schon der wachsende Anteil von Verbrauchern, die dort in Biomärkten einkaufen gehen. Außerdem ist der überwiegende Anteil kritischer Verbraucher in Deutschland überdurchschnittlich gut informiert. Und sie treten mit kritischen Fragen an uns heran. Darüber freuen wir uns, denn es ist für uns eine Möglichkeit, uns mit Verbrauchern hinsichtlich ihrer Erwartungen und Vorstellungen in Sachen Nachhaltigkeit auszutauschen. Wir zeigen uns sehr transparent, erläutern, was wir machen und was wir noch verbessern möchten. Verbraucher sollen schließlich bei ihrer Kaufentscheidung genau wissen, was drin ist, wie das Produkt hergestellt wurde und wie es in den Handel gelangt ist. Das betrifft auch die Auswahl der Duftstoffe, die unseren Produkten beigefügt werden.

AHA24x7.com: Das heiß, auch die Duftstoffe in Wasch- und Reinigungsmitteln von „seepje“ sind frei von chemischen Zusätzen?

Gwendolyn Behnke: Ja, wir verarbeiten ausschließlich natürliche Duftstoffe, es handelt sich dabei um eine Zusammensetzung aus verschiedenen biozertifizierten ätherischen Ölen. Aber um auch in dieser Frage Kunden mit bestimmten allergischen Reaktionen entgegenzukommen, steht eben ganz genau auf den Packungen drauf, was drin ist.

AHA24x7.com: Gibt es bestimmte Produkte oder Zusätze, die speziell mit Blick auf die Vorlieben deutscher Verbraucher entwickelt wurden?

Gwendolyn Behnke: Allerdings. Während in den Niederlanden die Handseifen Eukalyptus und Lavendel großen Anklang finden, scheint für die deutschen Nasen das Spülmittel Gurke und Aloe Vera am besten zu passen.

 

„Deutschland ist im Moment ein wichtiger Wachstumsmarkt. 2018 haben wir in Deutschland bei Alnatura angefangen, um zu lernen, wie der deutsche Markt funktioniert.“ 

 

AHA24x7.com: Nachhaltigkeit ist das Schlüsselwort. Die natürliche Seife aus Fernost wird in Kunststoffflaschen angeboten. Wie steht es um Entsorgung und Wiederverwertung?

Gwendolyn Behnke: Die momentan nachhaltigste Lösung, die wir anbieten können, sind Flaschen aus nahezu 100prozentig recyceltem Kunststoff. Die Behälter werden über die gelbe Tonne entsorgt und landen so in die Wiederverwertung. Das verwendete Plastik ist Verbraucherplastik, das heißt, möglicherweise entsteht aus dem leeren „seepje“ direkt wieder eine neue Flasche. Und weil wir uns ständig über jeden Schritt Gedanken machen, kleben wir unsere Produktbanderolen nicht auf die Flaschen, sondern schieben sie darüber, so dass der Abfall getrennt entsorgt werden kann: als Karton und Plastik.

AHA24x7.com: Der deutsche Verbraucher gilt zunehmend als kritischer Verbraucher: Ist das der Grund, diesen Markt jetzt verstärkt ins Auge zu fassen?

Gwendolyn Behnke: „seepje“ hat die Ambition zu wachsen, potenzielle Verbraucher in Europa zu inspirieren und auf diesem Wege einen positiven Impact auf Kaufgewohnheiten zu haben. Das Unternehmen zählt momentan 15 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 2,1 Millionen Euro, wir haben 19 verschiedene Artikel im Angebot. Uns geht es darum, eine stetig wachsende Zahl von Verbrauchern anzusprechen und zu bewegen, sich beim Einkaufen von Wasch- und Reinigungsmitteln für eine nachhaltige Alternative zu entscheiden. Deutschland ist im Moment ein wichtiger Wachstumsmarkt. 2018 haben wir in Deutschland bei Alnatura angefangen, um zu lernen, wie der deutsche Markt funktioniert: Wie können wir gemeinsam mit einem eingeführten deutschen Partner an der Marke bauen.

Das Ergebnis dieses ersten Versuchs war, dass wir in Erfahrung bringen konnten, dass deutsche Kunden bewusste Verbraucher und kritische Kunden sind, die Fragen stellen, gerade wenn es sich um ein neues Produkt, um eine noch unbekannte Marke geht. Und dass es gut ist, sich diesen kritischen Fragen gegenüber aufgeschlossen und transparent zu zeigen. Das passt sehr gut zu unserer eigenen Einstellung. Inzwischen sind wir auch bei BasicBio und LPG Biomark mit unseren Produkten vertreten, was im Übrigen nicht verwundern dürfte, sind doch im Bio-Segment jene Verbraucher vertreten, die sich mehr als der Durchschnitt mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen und sich mit biologischen und ökologischen Produkten beschäftigen. Aber wenn wir unser Ziel erreichen wollen, die inspirierendste Wasch- und Putzmarke mit dem größten Impact in Europa zu werden, müssen wir uns nach weiteren Partnern umschauen. Die Drogeriekette dm, die neuerdings unser Sortiment in den Regalen hat, erscheint uns dafür der richtige Partner.

 

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