Im ersten Teil ihres Blogs erklärte Sprachexpertin Alexandra Kleijn, was es für Deutsche leicht macht, die niederländische Sprache zu erlernen. In der zweiten Hälfte stellt sie einige Fallstricke vor.

Hier geht es zum ersten Teil des Blogs.

Was macht Niederländisch weniger leicht für Deutsche?

## Die bereits genannte Aussprache

Sorry, aber wer Niederländisch für eine Halskrankheit hält, sucht bloß eine Ausrede, die Sprache nicht sprechen zu müssen. Wer nämlich kein hartes, kehliges “g” über die Lippen bringt, muss das im Niederländischen gar nicht tun. Alles, was man für das niederländische “g” benötigt, ist ein “ch”-Laut, wie er im deutschen Wort Dach erklingt.

Vor allem im Süden der Niederlande, in Noord-Brabant und Limburg, wird dieser Konsonant auch von den Niederländern selbst eher weich gesprochen.

Schwieriger ist da eher der Doppellaut ui, den es so im Deutschen nicht gibt, und mit dem viele deutsche Muttersprachler sich schwer tun. Als Anhaltspunkt kann man sich das “ui” als eine Aneinanderreihung der Vokale äöüi vorstellen.

## Die Bombe unter dem Baum

Sowieso sollte man die niederländischen Vokale nicht zu sehr auf die leichte Schulter nehmen. Genauso wie im Deutschen haben die niederländischen Vokale eine lange und kurze Variante. Für Nicht-Niederländer – auch für Deutsche – ist der Unterschied oft schwer zu hören. Er ist aber extrem wichtig, denn oft geht er mit einem Bedeutungsunterschied einher.

NL: bom (kurzes o) – boom (langes o)

DE: Bombe – Baum

Er ligt een bom onder de boom.

NL: wit (kurzes i) – wiet (langes i)

DE: weiß – marihuana

Wiet is niet wit.

NL: man (kurzes a) – maan (langes a)

DE: Mann – Mond

De man in de maan.

Niederländer reden recht schnell und trennen weniger deutlich zwischen Wortgrenzen wie Deutsche. Das kann beim Verstehen eine zusätzliche Hürde sein.

## Bildhaftigkeit

Der üppige Gebrauch von Redewendungen und Ausdrücken im Niederländischen – auch in der Schriftsprache – stellt Nicht-Muttersprachler häufig vor Rätsel. Wer mit seiner Nase in die Butter fällt, hat im Niederländischen zum Beispiel Glück. Und wer etwas sitzen sieht, findet etwas gut.

## Ironie

Noch etwas, auf das man ein Auge haben sollte, ist Ironie. Niederländer lieben dieses Stilmittel und sagen deshalb gern genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich meinen.

## Aktiv

Die Unterschiede zwischen der niederländischen Schriftsprache und der gesprochenen Sprache sind deutlich kleiner als im Deutschen. Niederländer mögen es auch gerne aktiv. Von substantivierten Verben und ausgeklügelten Passivkonstruktionen halten sie nicht viel.

## Fazit

Deutsche, die Niederländisch lernen, haben durch die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Sprachen schnelle Erfolgserlebnisse. Bevor man die Feinheiten beherrscht, vergeht jedoch – wie beim Erlernen jeder Fremdsprache – Zeit.

Über Alexandra Kleijn

Die gebürtige Niederländerin (Hilversum) lebt seit 1997 in Hannover. Sie arbeitet als freiberufliche Übersetzerin und unterrichtet ihre Muttersprache in der Erwachsenenbildung. In ihrem Blog buurtaal schreibt Alexandra Kleijn seit 2009 über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur. Seit Mai betreibt sie das Forum „Niederländisch für Deutsche – Deutsch für Niederländer“.