„Deutsche Eisliebhaber mögen das Besondere“

„Deutsche Eisliebhaber mögen das Besondere“
Nina Kamps Unternehmen „The Nice Company“ stellt mit regionalen Produkten Eis für unterschiedliche Geschmäcker her. Foto: The Nice Company

Bioeis im Becher gibt es schon eine Weile in deutschen Bioläden. Eis am Stiel indes mit echten Früchten und einer umweltfreundlichen Verpackung ist relativ neu auf dem Markt. Die Niederländerin Nina Kamp (50) fing 2013 an, Eis herzustellen und ihr Selbstgemachtes auf Marktplätzen in Amsterdam auszuprobieren. Das Eis am Stiel oder in der Quetschtüte ist inzwischen in mehr als 2.000 Verkaufsstellen in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und neuerdings auch in der Schweiz erhältlich. Möglichst energieneutral mit Sonnenenergie stellt Nina Kamps Unternehmen „The Nice Company“ mit regionalen Produkten Eis für unterschiedliche Geschmäcker her. „Wir setzen bei unserem Produkt auf Dinge, die es in der Natur gibt, Eis essen wird so auch zu einem Erlebnis. Wir bieten ein Produkt, das nahrhaft, gehaltvoll und lecker zugleich ist“, erläutert Nina Kamp im Gespräch mit AHA24x7.com.

AHA24x7.com: Was lecker ist, kann nicht gesund sein, was gesund ist, will nicht so recht schmecken, lautet die landläufige Meinung in Deutschland und den Niederlanden. Ist Ihr Eis die Antwort auf dieses Negativ-Image?

Nina Kamp: In der Anfangsphase war das tatsächlich die allgemeine Grundhaltung vieler Verbraucher, aber allmählich ändert sich das. Ich dachte mir damals, wie schade dies doch ist, schließlich gibt es so viele herrliche Dinge, darunter solche, die dem allgemeinen körperlichen Empfinden zugutekommen, so zum Beispiel frische Früchte. Die sind auf jeden Fall bekömmlicher und gesünder als all die konzentrierten Säfte und Fruktosesirups, also jene Mischungen, bei denen man allein schon nach der Lektüre der Ingredienzen-Auflistung Bauchschmerzen bekommt. Diese Produkte sind süß, der Geschmack ist auch ok, aber nach wiederholtem Konsum merkt man dennoch, dass diese Produkte letztendlich zu fett oder zu süß sind.

The Nice Company versucht, dem etwas Positives entgegenzusetzen und dabei vor allem Kindern einen gesunden Genuss zu ermöglichen, nach der Devise, wenn man Eis mit frischen Erdbeeren aufbereitet, ergibt das auch ein leckeres Eis. Es braucht dazu kein Mermaid Cornetto samt jeder Menge artifizieller Farbstoffe, in dem man nach frischen Früchten vergeblich suchen wird. Wir setzen bei unserem Produkt auf Dinge, die es in der Natur gibt, Eis essen wird so auch zu einem Erlebnis. Wir bieten ein Produkt, das nahrhaft, gehaltvoll und lecker zugleich ist.

 

„Unser Unternehmen unterhält zum Beispiel eine beträchtliche Anzahl von Verkaufsstellen gerade außerhalb der Randstad“

 

AHA24x7.com: Die Verwendung „richtiger“ Früchte, noch dazu aus regionalem Anbau, ist in unseren Breiten bekanntermaßen kein Ganzjahresgeschäft. Was machen Sie im Winter? Ihre Steuererklärung?

Nina Kamp: Wir liefern nicht das ganze Jahr hindurch, wir verkaufen in den Monaten März bis September. Allerdings ist es in manchen Jahren so, dass die Zeit, in der das Obst reift und die Eisproduktion anläuft, nicht zusammenfällt. Wir arbeiten mit verschiedensten Früchten, Johannesbeeren, Erdbeeren, Himbeeren, und wo es gerade nicht passt, frieren wir das frisch geerntete Obst ein. Der Nährwert bleibt erhalten, und in dem Moment, wo wir das Eis produzieren, holen wir den ganzen Obstvorrat aus den Kälteräumen und machen Eis.

AHA24x7.com: In den Niederlanden haben Sie mit Ihrem Bioeis am Stiel unerwartet schnellen Erfolg gehabt. Auch der deutsche Verbraucher erfreut sich seit einiger Zeit vermehrt an Ihrem Produkt. Wer kauft Ihr Eis, handelt sich um eine vorwiegend konsumkritische städtische Klientel?

Nina Kamp: Angefangen haben wir 2013 in Amsterdam, also quasi an der Heimatfront. Aber eine Affinität zu gesunder Ernährung beschränkt sich nicht auf eine urbane Klientel, das hängt vielmehr ab davon, wie wichtig es den Menschen ist, sich verantwortungsvoll zu ernähren, wie sie darauf achten, dass die Ware frisch ist, woher die Erzeugnisse stammen. Unser Unternehmen unterhält zum Beispiel eine beträchtliche Anzahl von Verkaufsstellen gerade außerhalb der Randstad (die Metropolenregion Amsterdam, Utrecht, Rotterdam und Den Haag, d. Red.). Außer in Deutschland und neuerdings in der Schweiz sind wir auch in Belgien vertreten. Dort haben wir eine Filiale in einem Naturpark, da besuchen uns Menschen aus allen Altersgruppen und Nationalitäten. Die Verkaufszahlen dort sprechen für sich.

 

„Während in den Niederlanden unser Erdbeereis die absolute Nummer 1 ist, ist bei den deutschen Kunden Himbeer-Hibiscus überaus populär. Während also Niederländer das favorisieren, das sie kennen, mag der deutsche Eisliebhaber eher den ausgefalleneren, besonderen Geschmack.“

 

AHA24x7.com: Seit wann ist ihr Bioeis auf dem deutschen Markt zu haben?

Nina Kamp: Seit 2017, Berlin machte den Anfang, dort haben wir uns in ausgewählten Bezirken auf den Markt gestellt, um herauszufinden, wie unser Eis beim deutschen Verbraucher ankommt. Das war sozusagen unsere Testphase. Wir hatten damals 20 Verkaufsstellen, quer durch Berlin, von Pankow, Mitte und Prenzlauer Berg über Schöneberg und Kreuzberg-Friedrichhain bis nach Charlottenburg. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Wir haben gezielt Bezirke ausgewählt, wo eine Klientel vorhanden ist, die innovativ tätig ist, wo auch das Gaststättengewerbe und der Kleinhandel neue Konzepte ausprobieren. Generell lässt sich inzwischen sagen, dass wir immer dort starten, wo Menschen bereit sind, sich neuen Angeboten gegenüber zu öffnen. Und von diesen Kernen aus verbreitern wir unsere Aktivitäten dann sternförmig weiter nach außen. Erhältlich ist unser Eis in ganz Deutschland in vielen Bio-Läden, etwa bei Alnatura und Basic und inzwischen auch in einigen Cafés und Restaurants in Hamburg und Berlin.

Himbeer-Hibiscus von The Nice Company
Bei den deutschen Kunden ist Himbeer-Hibiscus überaus populär. Foto: The Nice Company

AHA24x7.com: Richten Sie Ihre Produktion für Deutschland womöglich an andere Vorlieben/Geschmacksrichtungen aus – Stichwort Marktforschung?

Nina Kamp: Definitiv! Während in den Niederlanden unser Erdbeereis die absolute Nummer 1 ist, ist bei den deutschen Kunden Himbeer-Hibiscus überaus populär. Während also Niederländer das favorisieren, das sie kennen, mag der deutsche Eisliebhaber eher den ausgefalleneren, besonderen Geschmack. Das hat uns überrascht und erfreut zugleich! Möglicherweise hat es auch damit zu tun, dass wir in den Niederlanden eine ganz breite Palette von Erdbeeren-Zubereitungen haben und auch so viele Anbaugebiete.

Uns kommt es so vor, als seien deutsche Verbraucher neugieriger, mehr an neuen Produktentwicklungen und Angeboten interessiert und als hätten sie keinerlei Bedenken, auch mal Sorten auszuprobieren, die sie vorher nicht kannten. Auf Vorlieben haben wir natürlich keinen Einfluss, wir verkaufen unser Produkt in ganz Deutschland, der Vertrieb erfolgt über die Bio-Großhändler, und die bestimmen letztendlich, was sie einkaufen. Die machen die Einschätzung, welche Kunden was bevorzugen, danach bemisst sich deren Einkauf. Wir können daraus unsere Schlüsse ziehen, welche Produkte wo wie gut oder weniger gut gehen.

 

„Womöglich kommen wir irgendwann in naher Zukunft sogar völlig ohne diese Folie aus… Wir befinden uns also in einem ständigen Austausch mit unserem Verpackungshersteller zu der Frage, ob es Alternativen gibt. Oder auch mit alternativen Anbietern aus der Branche, die vielleicht was ganz Neues für unsere Produktionserfordernisse auf den Markt bringen.“

 

AHA24x7.com: Deutsche Verbraucher gelten in der Regel als ziemlich kritisch. Sehen Sie genau da eine Chance für Ihr Produkt? Erfordert das Thema Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit in Sachen Produktion, Verpackung und Entsorgung für den deutschen Markt noch mal eine besondere Aufmerksamkeit?

Nina Kamp: Unbedingt, wir sind bei Nice der Meinung, dass Nachhaltigkeit Bestandteil unserer Produktionsweise zu sein hat. Wir überlegen ständig, welche Möglichkeiten es gibt, umweltschonend zu produzieren und zugleich ein Produkt anzubieten, das allen Menschen zugänglich ist. Das ist immer in Bewegung. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Verpackung. Unsere Verpackungen sind aus Papier, allerdings ist da eine Folie im Innern der Verpackung, damit das Eis nicht am Papier festklebt, damit kein Sauerstoff an das Eis gelangen kann. Wir überlegen fortwährend, ob diese Folie vielleicht auch dünner sein und trotzdem verhindern könnte, dass Sauerstoff an das Produkt kommt.

Auch stellen wir regelmäßig Überlegungen an, ob wir vielleicht andere, umweltverträglichere Rohmaterialien einsetzen können. Womöglich kommen wir irgendwann in naher Zukunft sogar völlig ohne diese Folie aus… Wir befinden uns also in einem ständigen Austausch mit unserem Verpackungshersteller zu der Frage, ob es Alternativen gibt. Oder auch mit alternativen Anbietern aus der Branche, die vielleicht was ganz Neues für unsere Produktionserfordernisse auf den Markt bringen. Bei einer Ware, die bis zu zwei Jahren tiefgekühlt überdauern muss, sind das ganz entscheidende Fragen. Am liebsten wäre uns natürlich, wir müssten gar nicht verpacken, leider ist das für unser Produkt nicht möglich.

Ein anderer wichtiger Gesichtspunkt ist der Energieverbrauch bei der Lagerung unseres Produkts. Einfrieren verbraucht nun mal Unmengen an Energie. Unser Produktionspartner hat inzwischen Sonnenpaneele auf dem Dach seiner Halle, das ist natürlich großartig. Was die Verpackungen anbelangt, entwickeln wir auch ständig neue Ideen, wie wir mehr Kartons auf eine Palette bekommen können und dadurch Transportkosten einsparen. Alles zusammengenommen sind das kleine Dinge, die aber durchaus positive Auswirkungen haben.

AHA24x7.com: Stichwort Allergien. Sie haben Bio im Programm und Vegan auf dem Zettel. Wie steht es um potenzielle Kunden etwa mit einer Gluten-Allergie?

Nina Kamp: Ich selbst habe mit einer Gluten-Unverträglichkeit zu kämpfen. Das hat zur Folge, dass in keinem unsere Eissorten Gluten steckt; ich könnte unsere Mischungen ja sonst gar nicht selbst ausprobieren. Zwar werden in den Behältern, in denen unser Eis angesetzt wird, auch andere Produkte hergestellt, die Behälter werden aber stets so gründlich gereinigt, dass keine Rückstände bleiben. Auch mit einer Gluten-Allergie kann man unser Eis ohne Einschränkungen genießen.

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